„[…] wenn man so an Familien denkt, dass Kinder sich ein Zimmer teilen müssen, vielleicht zu dritt, zu viert sogar. Oder allgemein, dass die Eltern vielleicht einfach nur auf dem Sofa im Wohnzimmer oder sowas schlafen müssen. Also bei Wohnraum, dass sie da auf jeden Fall auch Abstriche machen müssen“1.
Das Thema „Wohnen“ und „Wohnkosten“ spielt eine höchst relevante Rolle für die Menschen in deutschen Großstädten. Regensburg ist hier keine Ausnahme, ganz im Gegenteil: Die Mietbelastung liegt für die Haushalte nach einer Studie des DIW in Regensburg bei durchschnittlich 40 % des Haushaltseinkommens, die Hälfte der Haushalte klagt über beengten Wohnraum. Armutsbetroffene Personen spüren dies in ganz besonderer Weise: Wohnen wird zur essenziellen Frage. Hohe Mieten reduzieren das verfügbare Einkommen der Menschen und können Menschen in finanzielle Not bringen. In der Fachdebatte spricht man nicht von ungefähr von Wohnarmut, wenn die Mietbelastung so hoch ist, dass das verbleibende Geld kaum für den Lebensunterhalt reicht.
1 Holler, Laura 2024: Masterarbeit „Alltagsverständnis von Armut“, Zitat B1, Z. 49-52.
Wohnen ist ein essenzielles Bedürfnis für Menschen; dementsprechend gibt es auch ein Menschenrecht auf Wohnen.2 Für Menschen in Armut zeigen sich auf diesem Feld vielfältige Probleme und Herausforderungen. Der Capability Approach sieht Wohnqualität und den Zugang zu Wohnraum als eine elementare Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, greift man auf die bekannte Liste von Martha Nussbaum zurück, findet sich Wohnen als das Verfügen über „eine angemessene Unterkunft“3.
Wohnen hat – wie nur wenige andere Themen – besonders starke Auswirkungen auf weitere Verwirklichungschancen (Capabilities und Functionings) in den Gebieten der finanziellen Potenziale, der ökonomischen Chancen, des ökologischen Schutzes oder der sozialen Einbindung.4
Einer der armutsbetroffenen Interviewpartner des Projekts bringt diese Verknüpfung recht drastisch zum Ausdruck:
„Ja, das geht mir tierisch auf den Sack, dass das einfach so eine so eine Hürde ist, eine scheiß Wohnung zu bekommen, dann die Wohnung zu halten, zu zahlen und nebenbei noch arbeiten. Arbeit finden. Ohne Wohnadresse oder Meldeadresse findest schwer einen Job und ohne Job, wie willst du dir eine Wohnung leisten. Und so verhält sich die Scheiße“ (Herr Y, Pos. 8).
Ohne Wohnung keine Meldeadresse, kein Job ohne Adresse, ohne Arbeit keine Wohnung – eine Spirale ohne erkennbaren Ausweg. Wohnungslosigkeit, wie im obigen Interviewausschnitt, ist sicherlich die extremste Erscheinungsform von Wohnarmut.
Diese Verbindung von Wohnkosten, Lebensunterhalt und Armut wurde sowohl in den Betroffeneninterviews wie auch in den Gesprächen mit den Expertinnen und Experten immer wieder deutlich. Der Wohnungsbau sei dem starken Wachstum der Stadt nicht nachgekommen, insbesondere der Mangel an Sozialwohnungen, so unsere Interviewpartnerinnen und -partner.
Hohe Preise und ein geringes Angebot an Wohnraum erschweren zudem die Anpassung der Wohnungsgröße an die individuellen und familiären Bedürfnisse. Gerade bei Haushalten mit niedrigem Einkommen oder besonderen Bedarfen wie z. B. Großfamilien, ältere oder pflegebedürftige Menschen oder Menschen mit Behinderungen ist die Wohnungsmobilität unter diesen Bedingungen besonders stark eingeschränkt.
Unpassende und schlechte Wohnbedingungen wirken sich darüber hinaus auf die Dimensionen der Gesundheit, der Teilhabe und auf die psychosoziale Ebene aus. Das Finden und die dauerhafte Finanzierung adäquaten Wohnraums sind damit eine der zentralen Herausforderungen für armutsbetroffene Haushalte in der Stadt Regensburg – eine Herausforderung, an der sie oft scheitern.
Der folgende Teil des Berichts beschäftigt sich mit dem Thema „Wohnen“ allgemein, liefert Daten zu Mietkosten sowie Wohnverhältnisse nach Haushalts- und Wohnformen. Diskutiert werden zudem die wichtigsten Unterstützungsleistungen der Stadt auf diesem Feld. Den Abschluss bildet der Bereich Obdachlosigkeit und die Frage der sozialen Segregation in der Stadt.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt ist seit Jahren ein Dauerthema für Bevölkerung und Politik in deutschen Großstädten. Die Problematik trifft dabei die untersten Einkommensgruppen besonders stark. Eine der befragten Personen kommentiert die finanzielle Belastung durch die Miete wie folgt:
„Und dann, wenn ich heute mal angenommen 1400 netto habe, bin ich aber schon die Hälfte an Miete los“ (Herr H, Pos. 51).
In fast allen Interviews mit den Betroffenen, aber auch mit den Expertinnen und Experten, wurden Miethöhe und Mieterhöhungen als einer der größten Belastungsfaktoren thematisiert.
Vergleicht man die Wohnkosten in Regensburg mit anderen bayerischen Städten, bekommt dieses subjektive Gefühl der Belastung einen sehr realen Kern: Regensburg weist im Verhältnis zu ähnlich großen Städten wie Augsburg oder Würzburg die höchste Nettokaltmiete von 9,73 €/m² auf:
Abbildung 1: Nettokaltmiete im Städtevergleich

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten vom Bayrischen Landesamt für Statistik 20225
„Also bezahlbarer Wohnraum ist ein Dauerthema. Auch nicht neu – seit Jahrzehnten“
(Sozialbürgermeisterin Dr. Freudenstein, Pos. 31).
In der Stadt Regensburg haben sich die durchschnittlichen Basismieten vom Jahr 2012 bis 2024 von 6,8 € auf 9,7 € je Quadratmeter erhöht – ein Anstieg um 43 %, wie die folgende Abbildung zeigt:
Abbildung 2: Mietpreissteigerung in Regensburg

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis des amtlichen Mietspiegels der Stadt Regensburg6
Die Mietpreissteigerung bewegt sich zwar im Rahmen der Mietentwicklung anderer bayerischer Großstädte, ist für viele Haushalte aber eine große Belastung und verschärft Armutsrisiken, wenn immer größere Anteile des Einkommens für die Miete aufgewendet werden müssen.
Die Faustregel für Mieterinnen und Mieter, maximal ein Drittel des Haushaltseinkommens für die Miete aufzuwenden, ist für viele der Haushalte schwer oder gar nicht einzuhalten, am unteren Ende des Einkommensspektrums wird dies faktisch unmöglich. Dies zeigt auch die bereits erwähnte Studie des DIW aus 2024, nach der die Mietbelastungsquote in Regensburg im Durchschnitt schon bei rund 40 % liegt. Zudem vergleicht die Studie unterschiedliche Einkommensgruppen und kommt zu folgendem Schluss:
„In der untersten Einkommensgruppe kam es zu den größten Schwankungen (…) Die einkommensschwächsten Haushalte gaben im Jahr 2021 im Durchschnitt 14 Prozentpunkte mehr von ihrem Einkommen für Miete aus als die einkommensstärksten“7
Der Paritätische Wohlfahrtsverband kommt in einer Studie bei Armutsbetroffen auf einen Anteil der Wohnkosten von 45,8 % am verfügbaren Einkommen.8 Folgende Aussage eines unserer Befragen bringt dies auf den Punkt:
„Spaß macht das Leben nicht mit 1500 Euro, also, wenn man die Hälfte schon mal als Miete abdrückt“ (Herr Ö, Pos. 4).
Weiterhin zeigt die Studie des Paritätischen zu Wohnarmut, welche Gruppen besonders stark von hohen Wohnungskosten belastet sind. Dieser Analyse zufolge sind vor allem Alleinstehende junge Erwachsene sowie alleinlebende ältere Menschen ab 65 Jahre, Alleinerziehende sowie Großfamilien ab 5 Personen von dem Phänomen der Wohnungsarmut betroffen.9 Diese Liste deckt sich in weiten Teilen mit dem Hauptrisikogruppen für Armut, die wir bereits identifiziert haben.
Um diese Ausführungen etwas anschaulicher zu gestalten, sollen im Folgenden ein paar Beispiele für die Belastung der besonders von Wohnarmut betroffenen Gruppen berechnet werden:
Alleinlebende jüngere Menschen unter 25: Unter 25-Jährige verdienen im Schnitt etwa 40 % weniger als die Gruppe der 25–65-jährigen Arbeitnehmer. Insbesondere alleinlebende Auszubildende haben mit hoher Mietbelastung zu kämpfen: Das durchschnittliche Bruttogehalt von Auszubildenden im 2. Ausbildungsjahr bei Betrieben der IHK für 2022 lag bei 789,75 €, was nach Abzug von Steuern genau die Höhe der Mietkosten abdeckt. Hinsichtlich der Situation von Studierenden ist bezeichnend, dass die Miete in Wohngemeinschaften mit 402 € die Wohnpauschale von 325 €, die 2022 im Rahmen von BaföG vorgesehen ist, um 77 € überschritten hat. Dementsprechend sind nicht nur Studierende in Single-Wohnungen, sondern auch in Wohngemeinschaften von den hohen Mieten in Regensburg betroffen.
Alleinlebende ältere Menschen über 65: Insbesondere für Rentnerinnen und Rentner mit wenig Rente und keinem Wohneigentum stellt die hohe Miete in Regensburg eine besonders große finanzielle Belastung dar. Bei einem durchschnittlichen Rentenzahlbetrag von 921 € aus der gesetzlichen Rentenkasse blieben – ohne Mittel aus der privaten Altersvorsorge – 296 € für den restlichen Lebensunterhalt.
Alleinerziehende: Auch Alleinerziehende sind von den hohen Mietkosten besonders belastet – hier ein kleines Rechenexempel: Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind zahlt in Regensburg, wie bereits dargestellt, im Schnitt eine Warmmiete von 689 €. Im Sinne der erwähnten 1/3-Faustregel müsste die Mutter 2.067 € netto verdienen. Ab dieser Stelle sei an die ausgeprägten Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen in Regensburg (ca. 20 %) sowie den hohen Anteil von Frauen in Teilzeitbeschäftigungen am Regensburger Arbeitsmarkt (ca. 80 %) hingewiesen. Insbesondere für Alleinerziehende mit geringerem Gehalt erscheint es deshalb schwierig bis unmöglich unter 40 % Mietbelastung zu bleiben, auch unter Anbetracht die Erwerbsarbeit mit den Pflichten der Care-Arbeit zu vereinen.
Wie in jeder Stadt oder Gemeinde stehen die Differenzen der Mietkosten stark mit der Wohnlage in Zusammenhang, wie folgende Karte des Regensburger Stadtgebiets verdeutlichen soll:
Abbildung 3: Räumliche Mietpreisdifferenzen im Regensburger Stadtgebiet

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder10; Darstellung: 1 km-Gitter
Die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter reicht im Regensburger Stadtgebiet von 7,6 € am Sallerner Berg bis 11,7 € am Brandlberg. Auf den ersten Blick sind hier „nur“ Differenzen im Preisgefüge zu erkennen, dennoch können hier erste Annahmen zur Konzentration von Armut getroffen werden. Die dahinterstehende und wenig überraschende These lautet: Armutsbetroffene ziehen entsprechend ihrer eingeschränkten ökonomischen Möglichkeiten eher in Wohnviertel, in denen die durchschnittliche Basismiete niedriger liegt.
„Wir können am Hohen Kreuz den billigsten Wohnraum in der ganzen Stadt anbieten. Und dann wissen Sie auch, was für Kundschaft dort zu finden ist“ (ZG SK, Pos. 8).
Entsprechend der Kartendarstellung kann bereits an dieser Stelle davon ausgegangen werden, dass sich Armut insbesondere am Hohen Kreuz, Sallerner Berg, Reinhausen/Isarstraße, Königswiesen Süd/Kumpfmühl Nord, Konradsiedlung-Nord und Burgweinting Süd konzentriert. Ob sich diese Annahme bewahrheitet und welche weitergehenden Konsequenzen der Wohnort für die sozialen Chancen der Menschen hat, wird ausführlich am Ende dieses Kapitels unter „Soziale Segregation und Sozialräumliche Ungleichheiten“ analysiert.
Eine Analyse der Wohnkostenbelastung in Regensburg zeigt ein anhaltend hohes Preisniveau mit potenziell hoher Belastung für einkommensschwache Haushalte.
Die Wohnkosten spielen auch deshalb eine wichtige Rolle, weil Regensburg eine Stadt der Mieterinnen und Mieter ist: Die Stadt Regensburg hatte 2020 mit 18,8 % die zweitniedrigste Eigenheimwohnungsquote (=Ein-/Zweifamilienhausquote) von allen Kreisen in Bayern, gleich nach München.11
Neben der erheblichen finanziellen Belastung durch die hohen und gestiegenen Wohnungskosten in Regensburg spielen im Kontext des Wohnens auch anderen Faktoren wie zum Beispiel die Größe des Wohnraums oder die Ausstattung der Wohnung eine Rolle.
2 Siehe z. B. Deutsches Institut für Menschenrechte (o.J.): Recht auf Wohnen (https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/wirtschaftliche-soziale-und-kulturelle-rechte/recht-auf-wohnen, Zugriff: 23.10.2024).
Engelmann, Claudia 2024: Das Menschenrecht auf Wohnen. Bundeszentrale für politische Bildung (https://www.bpb.de/themen/recht-justiz/dossier-menschenrechte/549594/das-menschenrecht-auf-wohnen/; Zugriff: 20.10.2024).
3 Nussbaum, Martha C. 2015: Fähigkeiten schaffen: Neue Wege zur Verbesserung menschlicher Lebensqualität. Freiburg im Breisgau: Karl Alber, S. 41.
Wohnen wird bei Nussbaum unter Punkt 2 der zehnteiligen Liste unter „Körperliche Gesundheit“ zusammen mit reproduktiver Gesundheit und angemessener Ernährung geführt.
Siehe auch:
Graf, Gunter 2011: Der Fähigkeitenansatz als neue Grundlage der Armutsforschung? SWS Rundschau, 51 (1), S. 98.
4 Arndt, Christian/Volkert, Jürgen 2006: Amartya Sens Capability-Approach – Ein neues Konzept der deutschen Armuts- und Reichtumsberichterstattung. Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 75 (2006), 1, S. 7–29.
5 Bayrisches Landesamt für Statistik: Zensus 2022 für Bayern (https://www.zensus2022.bayern.de/).
6 Stadt Regensburg o.J.: Mieten berechnen (https://www.regensburg.de/leben/wohnen-u-bauen/mieten-berechnen; Zugriff: 26.02.2025).
7 Kohlodilin, Konstantin/Baake, Pio 2024: DIW Wochenbericht 41: Mietbelastung in Deutschland: In den letzten Jahren nicht gestiegen, aber ungleich verteilt, S.637 – 634.
8 Der Paritätische 2024: Pressemitteilung: Studie belegt – Wohnen macht arm (https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/studie-belegt-wohnen-macht-arm/; Zugriff: 20.02.2025).
Die Studie hierzu:
Der Paritätische (Hg.) 2024: Wohnen macht arm Die Berücksichtigung von Wohnkosten macht ein bislang unsichtbares Ausmaß an Armut sichtbar (https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Schwerpunkte/Wohnen/doc/Kurzexpertise_Wohnarmut_24_12_13.pdf; Zugriff: 18.03.2025), S. 14.
9 Ebd., S. 9 ff.
10 Statistische Ämter des Bundes und der Länder o. J.: Zensusatlas (https://atlas.zensus2022.de/).
11 Bayrisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales 2022: Fünfter Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur in Bayern (https://www.statistik.bayern.de/mam/statistik/bildung_soziales/sozialbericht/sozialbericht_langfassung_2022.pdf; Zugriff: 10.03.2025), S. 188.
Ein adäquater Wohnraum ist eine grundlegende Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten, überbelegte Wohnungen und mangelnde Privatsphäre beeinflussen die psychische Gesundheit, Bildungschancen von Kindern und soziale Teilhabe. Besonders betroffen sind dabei Haushalte mit niedrigem Einkommen, die sich keine größere Wohnung leisten können oder aus Mangel an Alternativen in beengten oder anderweitig mangelhaften Wohnverhältnissen leben.
„Die durchschnittliche Wohnfläche, die den privaten Haushalten in Deutschland 2022 zur Verfügung stand, lag bei 96,0 Quadratmetern. Die Wohnfläche je Person lag durchschnittlich bei 55,4 Quadratmetern. Damit lässt sich in den vergangenen Jahren tendenziell ein Anstieg der Wohnfläche feststellen, über die Haushalte im Durchschnitt verfügen“.12
In Regensburg lag die Wohnfläche laut Zensusdaten pro Haushalt für das Jahr 2022 im Mittel bei 76,4 m². Haushalte in Regensburg haben also im Vergleich zum Bundesdurchschnitt etwa 20 m² weniger Platz zur Verfügung.13
In Regensburg muss jede Person mit einer Wohnfläche von durchschnittlich 34,6 m² auskommen14, was auch im Vergleich zu anderen bayerischen Großstädten für generell beengte Wohnverhältnisse spricht. Dies ist auch der Stadtverwaltung bewusst: In einem Zwischenbericht 2022 zur Wohnbauoffensive der Stadt wurde herausgearbeitet, dass 2018 50 % der Haushalte entweder auf zu kleinem oder zu teurem Wohnraum wohnten – dies betraf 23.000 Haushalte in Regensburg.15
Die pro Person zur Verfügung stehende Fläche variiert dabei laut Statistischem Bundesamt nach Wohneigentum und Mietverhältnis: Haushalte mit Wohneigentum verfügen in der Regel über mehr Fläche.
Mehr als die Hälfte der Rentnerinnen und Rentner lebt laut dieser Studie im Bund in eigenem Wohneigentum. Sie haben zudem mit 67,5 Quadratmetern mehr Wohnfläche als der Durchschnitt der bundesdeutschen Bevölkerung zur Verfügung. Für Regensburg gilt es allerdings die unterdurchschnittliche Eigentumsquote zu berücksichtigen, die sich auch bei den Rentnerhaushalten niederschlagen dürfte.
Haushalte, die staatliche Unterstützung (z. B. Leistungen nach SGB II) erhalten, sind zu mehr als 90 % Mieterhaushalte und müssen sich tendenziell mit geringerem Wohnraum arrangieren.16
Das Phänomen beengter Wohnverhältnisse tritt laut Statistischem Bundesamt häufig bei Haushalten mit Migrationsgeschichte auf: Laut Zusatzprogramm „Wohnen“ des Mikrozensus zeigt sich, „dass Haushalte mit Einwanderungsgeschichte im Durchschnitt über weniger Wohnfläche verfügen als solche ohne Einwanderungsgeschichte. Haushalte, in denen alle Mitglieder eine Einwanderungsgeschichte haben, haben häufig für mehr Personen weniger Wohnraum zur Verfügung“.17
Eine Sonderstellung nehmen hier Menschen ein, die in unser Land geflüchtet sind und sich noch in entsprechenden Einrichtungen befinden. Beengte Wohnverhältnisse sind hier nur eines der Probleme.
Ann-Sophie Hansen hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Wohn- und Lebenssituation von Geflüchteten in den bayerischen Ankerzentren befasst und kam zu folgendem Schluss:
Ann-Sophie Hansen
Die Debatte um die Aufnahme Geflüchteter spaltet zunehmend die Gesellschaft und prägt die politische Landschaft. Besorgt wird dabei auch die schwieriger werdende Unterbringung der ankommenden Menschen betrachtet und diskutiert. Diese werden in Bayern zunächst in den Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückführungszentren (AnkER) untergebracht, wo sie ihren Asylantrag stellen und auf eine Entscheidung über diesen warten.
Die Zentren stellen je nach Regierungsbezirk einen Wohnort für ca. 1000 bis 3500 Menschen für eine Aufenthaltsdauer von ungefähr drei bis zu 24 Monaten dar. Die Einrichtungen bieten den Vorteil der Zentralisierung von Behörden, Vereinen und medizinischer Untersuchung, die zu Beginn des Asylverfahrens notwendig sind. Allerdings geht das Leben in den AnkER-Zentren auch mit Einschränkungen der Fähigkeiten einher, die es für ein der Menschenwürde angemessenes Leben bedarf. So stellen beengte Verhältnisse mit eingeschränkter Privatsphäre und teilweise mangelhaften hygienischen Bedingungen die Bewohnerinnen und Bewohner vor Herausforderungen. Hinzu kommt, dass die Bedingungen einen Nährboden bieten für Machtmissbrauch und Diskriminierung.
Neben den Einschränkungen der Fähigkeiten für ein menschenwürdigen Leben, welche durch die Wohnbedingungen verursacht werden, sind die Menschen in ihren Möglichkeiten in Bezug auf Arbeit, Bildung, Beziehungen und ihre Zukunftsplanung durch gesetzliche Auflagen, die mit dem Asylverfahren einhergehen, eingeschränkt.
Insgesamt ist die Armut der Asylbewerberinnen und -bewerber, welche weit über eine finanzielle Armut hinausgeht, nicht nur eine Belastung für sie selbst, sondern letztendlich auch mit hohen Integrationsfolgekosten verbunden.
Wie sich die verfügbare Wohnfläche auf die einzelnen Haushaltstypen in Regensburg verteilen und wer besonders stark von beengten Wohnverhältnissen betroffen ist, wird in folgendem Abschnitt diskutiert.
Beengte Wohnverhältnisse wurden, neben den hohen Wohnkosten, auch in vielen Betroffeneninterviews angeführt, wie folgendes Beispiel veranschaulicht:
„Das Problem ist mein Zuhause. Es ist so klein. Weil ich habe 5 Kinder (…) Meine Wohnung hat zwei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer (…) Alle Kinder schlafen in einem Zimmer“ (Frau M, Pos. 3, 73, 77).
Dieser subjektive Eindruck spiegelt sich auch in den bundesweiten Statistiken wider: Armutsbetroffene und Menschen mit geringem Einkommen sind deutlich stärker von beengten Wohnverhältnissen betroffen als Haushalte mit höherem Einkommen. Mit besonders wenig Wohnraum müssen laut DIW Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen auskommen.18
Vor besondere Schwierigkeit sehen sich kinderreiche Familien gestellt. Für sie ist es schwierig, eine angemessen große Wohnung in Regensburg zu finden. Dies wird aus folgender Aussage eines Betroffenen ersichtlich:
„Wir haben in einer Drei-Zimmer-Wohnung gewohnt, dann haben wir noch Zwillinge bekommen… In zehn Monaten drei Kinder bekommen (…) Also jetzt waren wir in der Situation: Wir sind eine große Familie jetzt, wir brauchen was Größeres. Jetzt hat man nirgendwo was gefunden. Es war nirgendwo am Markt irgendetwas, wo gesagt wird, okay, können wir da hinziehen?“ (Herr O, Pos. 8, 10)
Die Zensusdaten aus 2022 für Regensburg geben Aufschluss über die Wohnverhältnisse der Haushaltstypen in der Stadt.
Abbildung 4: Verfügbare Wohnfläche nach Haushaltstyp

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Zensusdaten 202219
Die Wohnfläche, die Menschen im Laufe ihres Lebens belegen, ist neben ihrer finanziellen Situation immer auch mit ihrer Lage im Lebenszyklus verbunden. Sind sie noch in der Ausbildung? Haben sie eine Familie gegründet? Leben sie nach dem Tod des Partners im Alter allein? Der Bedarf an Wohnraum verändert sich in den unterschiedlichen Phasen des Lebenslaufs.
Abbildung 4 zeigt die Verteilung der Wohnfläche nach Haushaltstypen auf Basis des Zensus von 2022.
In Regensburg haben Einpersonenhaushalt und Paare ohne Kinder vergleichsweise viel Wohnraum, alleinlebende alte Menschen haben hierbei laut Bundesstatistik mehr Fläche zur Verfügung, für Regensburg fehlen hier die Daten. Paare mit Kindern und Alleinerziehende liegen im Mittelfeld. Dies lässt sich plausibel aus der jeweiligen Lebenssituation und Lebensphase erklären. Alleinlebende Singles z. B. bräuchten in der Regel keine sehr große Wohnung, dennoch summieren sich durch die Notwendigkeit eines Bades, einer Küche und eines Wohn- und Schlafzimmers die Quadratmeter, die in der Regel bewohnt werden. Alleinerziehende und Familien mit Kindern benötigen wiederum größere Wohnungen z. B. für entsprechende Kinderzimmer, die Fläche wird aber auf mehrere Personen verteilt. Je mehr Personen es werden, desto geringer wird laut Statistik der pro Person zu Verfügung stehende Raum.
Die Vermutung, dass Kinder in einkommensschwachen Haushalten sich zu mehreren ein Zimmer teilen müssen, wie sie zu Beginn dieses Abschnitts geäußert wird, scheint also durchaus zutreffend zu sein. Diesen Befund kann man ebenfalls aus den Zensusdaten für 2022 ablesen:
Abbildung 5: Prozentuale Verteilung der Wohnungsfläche in Regensburg

Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung auf Basis der Ergebnisse aus dem Regensburger Zensus 202220
Die Ergebnisse zeigen, dass in Regensburg nur wenige Wohnungen mit großem Wohnraum zur Verfügung stehen. Dies hat Folgen: So wohnt knapp die Hälfte der 4-Personenhaushalte (und mehr Personen) auf einem Wohnraum von unter 100 m². Sie erreichen damit also nicht annähernd die Durchschnittswohnfläche von 34,6 m² Quadratmetern pro Person in Regensburg.
Das Wohnraumangebot in der Stadt ist also nicht nur in seinen Preisen, sondern auch in seinem Bestand für viele Regensburger Haushalte eine Hürde. Die Idee einer bedarfsgerechten freien Wahl des Wohnraums für alle Bürgerinnen und Bürger stößt hier an die Grenze eines stark limitierten und umkämpften Wohnungsmarktes. Dies führt zu enormen Belastungen, besonders bei Haushalten mit Armutsgefährdung.
Einige der interviewten Betroffenen äußerten sich zu Problemen in ihrer Wohnung, wie zum Beispiel die alleinerziehende Mutter Frau P:
„Ja, Schimmel haben wir halt in der Wohnung. Ich habe schon ständig gesagt, dann sagen sie, es ist vom Lüften, vom Lüften ist es aber nicht (…) Die waren jetzt erst vor zwei Jahren da, die haben dann wieder einen geschickt, der hat drüber gemalt. Aber das ist halt eine voraussichtliche Sache, wann es wiederkommt. Also notdürftig drüber gemalt über das Zeug. Und das kommt aber nicht vom Lüften, weil das ist so im Mauerwerk drin. Da war mal einer da, der hat das gemessen“ (Frau P, Pos. 24).
Auch der Familienvater Herr O thematisierte einen Schimmelbefall in seiner Wohnung und äußerte sein damit einhergehendes Dilemma hinsichtlich der Suche nach einer geförderten Wohnung:
„Da war halt auch Schimmelproblem und die Kinder haben halt immer so Husten gehabt und so … und alles Schimmel. Wir mussten halt irgendwie raus aus der Wohnung. Wir hatten dort auch keine Gasheizung, das war halt nur Stromheizung (…) Dann war ich halt vor der Wahl gestanden, entweder ich bleibe in dieser Situation (…) Oder ich gehe raus“ (Herr O, Pos. 8, 12, 14).
Armutsbetroffene nehmen diese teilweise gesundheitsschädigenden Zustände hin, weil sie keine Möglichkeit haben, in eine andere Wohnung zu ziehen und über keine Mittel verfügen, die vorhanden Probleme selbst zu beseitigen. Damit schließt sich auch der Kreislauf aus hohen Wohnkosten, Verfügbarkeit von Wohnraum und Wohnraumförderung, auf welche später noch ausführlich eingegangen wird. In einem Bericht zur sozialen Ungleichheit der Wohnversorgung in deutschen Großstädten heißt es:
„Ihr [Armutsbetroffene, W. B.] Anteil an den ab 2011 errichteten Wohnungen mit in der Regel modernster Ausstattung und gutem Bauzustand beträgt nur knapp sieben Prozent“.21
Armutsbetroffene wohnen dementsprechend häufiger in Wohnhäusern älteren Baujahrs, was eben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Schimmelbefall, Baufälligkeit sowie veralteten und damit teureren Heizanlagen verbunden ist. Letzteres wird unter dem Stichwort Energiearmut diskutiert. Einkommensschwache Haushalte zahlen einen besonders hohen Anteil ihres verfügbaren Einkommens für die Energieversorgung, unter anderem auch aufgrund ineffizienter Energieversorgungsanlagen in älteren Wohnanlagen.22 Aber dies sei an dieser Stelle nur angeschnitten.
Neben diesen baulichen Defiziten stellen auch klimatische Belastungen wie Hitze, fehlende Grünflächen oder Hochwasser eine besondere Herausforderung für Bewohnerinnen und Bewohner von benachteiligten Gebieten dar. Dies zeigt sich auch in den Ergebnissen der Bachelorarbeit von Hannah Schmidt, die die sozialen Folgen des Klimawandels in Regensburg mit Schwerpunkt auf armutsbetroffene Personen untersucht hat.
Hannah Schmidt
Der anthropogene Klimawandel hat nicht nur folgenschwere Auswirkungen auf alle Ökosysteme, sondern bringt auch soziale Probleme mit sich. Diese Entwicklung betrifft sowohl die Ressourcen-Ungleichheit zwischen dem globalen Süden und den Industrienationen als auch zwischen Bevölkerungsteilen innerhalb eines Landes. Regensburg bildet dabei keine Ausnahme: Innerhalb der Stadtbevölkerung sind verschiedenste sozio-ökonomische Ausgangslagen vorzufinden. Besonders vulnerable Gruppen sind Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, Seniorinnen und Senioren sowie obdachlose Personen.
Auch die klimatisch-bedingten Stressfaktoren sind ungleich verteilt. Dazu gehören beispielsweise Hitze, ungenügende Ausgleichsflächen und Hochwasser. Am wenigsten von den Folgen des Klimawandels betroffen ist in Regensburg im Durchschnitt, wer am Stadtrand wohnt. Gleichzeitig verfügen in diesen Gebieten viele Menschen über ausreichend finanzielle Ressourcen, um ihre Umgebung an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Genau andersherum verhält es sich in Teilen des Osten- und Kasernenviertels.
Obwohl in Regensburg von öffentlicher Seite bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Klima-Resilienz ergriffen wurden, bewertet die Deutsche Umwelthilfe die Flächenversiegelung und die Grünausstattung in der Stadt als unzureichend. Dies zeigt, dass es hier durchaus noch Handlungsbedarf gibt, um vulnerable Gruppen zu schützen. Zudem wirkt sich eine hohe Klima-Resilienz der Stadt auf die allgemeine Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger aus.
Armut, insbesondere Altersarmut, ist häufig mit gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen wie Immobilität verknüpft. Deshalb ergeben sich für viele ältere Armutsbetroffene spezifische Bedarfe an den Wohnraum. Ein Beispiel ist Frau Ä, die ein künstliches Gelenk hat. Arme Menschen, die körperliche Einschränkungen haben, erleben zusätzliche Probleme bei der Wohnungssuche, da gerade Mietwohnungen selten barrierearm oder gar barrierefrei gebaut sind. Eine Publikation des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht von einer Zahl von circa 2,7 Millionen Seniorenhaushalten mit mobilitätseingeschränkten Haushaltsmitgliedern (inkl. Pflegebedürftige) aus, mehr als 400.000 davon in Bayern. Der Versorgungsbedarf ist also enorm und arme Menschen müssen sich auf diesem Markt bewegen. Die Versorgungsquote mit barrierereduzierten Wohnungen liegt in Bayern nur zwischen 25 und 35 Prozent.23
„Jetzt habe ich was mit Aufzug gefunden und mit Dusche. Zuerst hatte ich eine Badewanne. Da konnte ich gar nicht mehr reinkommen“ (Frau Ä, Pos. 79).
Die Notwendigkeit von mehr barrierefreiem Wohnraum sehen auch einige der Expertinnen und Experten an, wie auszugsweise hier zu lesen ist:
„Oder generell nicht behindertengerechte Wohnungen. Wir haben ganz viele Senioren, die im zweiten, dritten Stock wohnen, ohne Aufzug, und dann einfach gar nicht mehr die Treppe runterkommen, das Haus gar nicht verlassen können. Was sie könnten, wenn es wenigstens einen Aufzug gäbe. Oder einen Umzug in barrierefreie Wohnungen ist denkbar schwierig. Allein auch diese bürokratischen Hürden zu überwinden, sich auf Wohnungssuche zu begeben und dann eine Wohnung zu finden, das ist wirklich schwierig“ (SR ASDS, Pos. 51).
An diesem Punkt positiv herauszustellen ist, dass alle neu gebauten Wohnungen der Stadtbau laut deren Angaben zu 100 % barrierefrei sind.
12 Statistisches Bundesamt 2025: Wohnsituation privater Haushalte 2022 in Deutschland (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/ergebnisse_zusatzprogramm.html; Zugriff: 14.01.2025).
13 Eine Studie aus dem Jahr 2020 kam bereits zu dem Schluss, dass Regensburg die zweitkleinsten Wohnflächen in Bayern nach München hat:
Bayrisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales 2022: Fünfter Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur in Bayern (https://www.statistik.bayern.de/mam/statistik/bildung_soziales/sozialbericht/sozialbericht_langfassung_2022.pdf; Zugriff: 10.03.2025), S. 198.
14 Hinweis: Eigene Berechnung – Der Mittelwert aller im Zensus 2022 verzeichneten Wohnflächen pro Person nach Haushaltsgröße liegt bei 34,6 m².
15 Stadt Regensburg 2022: Zwischenbericht der Wohnbauoffensive. Dr, NR. VO/22/18726/66.
16 Statistisches Bundesamt 2025: Wohnsituation privater Haushalte 2022 in Deutschland (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/ergebnisse_zusatzprogramm.html; Zugriff: 14.01.2025).
17 Ebd.
18 Deutsches Institut für Wirtschaftsförderung (DIW) 2024: Mietbelastung in Deutschland – Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. DIW Wochenbericht 41/2024 (https://www.diw.de/de/diw_01.c.916410.de/mietbelastung_in_deutschland_____schere_zwischen_arm_und_reich_geht_auseinander.html; Zugriff: 27.02.2025).
19 Bayerisches Landesamt für Statistik | Beiträge zur Statistik Bayerns, Heft 556 Zensus 2022 – Zahlen und Eckdaten 21für Regensburg (Krfr.St.) (https://www.zensus2022.bayern.de/; Zugriff 25.03.2025), S. 22.
20 Ebd.
21 Holm, Andrej/Regnault, Valentin/Sprengholz, Maximilian/Stephan, Meret 2021: Muster sozialer Ungleichheit der Wohnversorgung in deutschen Großstädten. Working Paper der Hans Böckler Stiftung (https://www.boeckler.de/fpdf/HBS-008072/p_fofoe_WP_222_2021.pdf; Zugriff: 27.02.2025).
22 Strünck, Christoph/Luschei, Frank/Bleckmann, Lisa/Schreiner, Nadine 2016: Energiearmut als neues soziales Risiko? Eine empirische Analyse als Basis für existenzsichernde Sozialpolitik (https://www.boeckler.de/pdf_fof/97606.pdf; Zugriff: 27.02.2025).
23 Deschermeier, Phillip 2023: IW Trends – Altersgerechter Wohnraum. IW Trends 2/23, S. 115 -134.
Prinzipiell haben bedürftige Personen unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Übernahme der Wohnkosten im Rahmen der Regelungen des SGB II (Bürgergeld) und nach SGB XII (z.B. Grundsicherung im Alter) und des Wohngelds. Hier kommt die Gemeinschaft für die gesamte oder anteilige Mietzahlungen auf. Die Größe des Wohnraums ist hierbei nach Haushaltsgröße limitiert und muss im Zweifelsfall angepasst werden (z. B. max. 50 qm für eine alleinstehende Person), was eventuell einen unfreiwilligen Umzug in eine günstigere Wohnung und eine Veränderung der Wohnumgebung zur Folge hat.
Die Höhe der zulässigen Zahlung wird unter Zuhilfenahme des örtlichen Mietspiegels ermittelt. Wird die Miete einer angemessenen Wohnung erhöht oder überschreitet eine verfügbare Wohnung die Anspruchsvoraussetzungen, so kann die Finanzierung durch das Amt abgelehnt werde, was Betroffene vor erhebliche Schwierigkeiten stellt. Ein Beispiel hierfür ist ein Regensburger Familienvater, der aufgrund von Platzmangel und Schimmelbefall über ein Jahr lang erfolglos eine angemessene Wohnung suchte:
„Wir mussten halt irgendwie raus aus der Wohnung (…) Jetzt hat man nirgendwo was gefunden (…) Wir waren dann schon so ziemlich verzweifelt einfach (…) Diese eine Wohnung ist noch frei, die ist aber nicht gefördert und kostet so und so viel. Und dann habe ich das natürlich dem Jobcenter angegeben. Und dann haben die natürlich gesagt, ja, wissen Sie was, die ist halt zu teuer, ne. Die bezahlen wir nicht“ (Herr O, Pos. 8, 10, 12).
Die flexible Anpassung der Wohnungsgröße an veränderte Lebensumstände und Bedarfe erweist sich als äußerst schwierig. Dies verstärkt die Gefahr, dass Betroffene in beengten Wohnverhältnissen verbleiben oder in prekären Wohnsituationen verharren müssen. Wie viele Menschen sind in der Stadt potenziell betroffen?
Die Stadt Regensburg meldete unter „Regensburg in Zahlen“ 6.970 Personen in 4.069 Bedarfsgemeinschaften nach SGB II.24 Hinzu kommen 1835 Personen, die Grundsicherung im Alter nach SGB XII bezogen haben. Ihre (angemessenen) Mietkosten werden übernommen. Mit der Übernahme der Mietkosten greift hier der institutionelle Ansatz, es handelt sich also um bekämpfte (Wohn-)Armut bei fast 6.000 Haushalten in der Stadt.
Neben der Übernahme der Mietkosten ist Wohngeld die wohl bekannteste und am häufigsten genutzte Leistung. Wohngeld definiert sich nach dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen wie folgt:
„Wohngeld ist ein Zuschuss zur Miete oder Belastung (bei selbst nutzenden Eigentümern) für Haushalte mit geringen Einkommen. Das Wohngeld leistet hier einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Wohnkostenbelastung. Anspruch und Höhe des Wohngeldes hängen ab von der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder, der Höhe des Gesamteinkommens und der Höhe der zuschussfähigen Miete bzw. Belastung.“25
Insgesamt ist die Anzahl der Wohngeldempfängerinnen und -empfänger seit dem letzten Armutsbericht 2011 von 2.039 Personen im Jahr 2011 auf 1.875 Menschen im Jahr 2022 gesunken. Interessanterweise ist jedoch die Zahl der Bewilligungen von 3.817 (2011) auf 4.777 (2022) angestiegen.26
Dies deutet darauf hin, dass mehr Wohngeldhaushalte bestehen, jedoch mit geringerer durchschnittlicher Personenzahl pro Haushalt. Ein möglicher Grund dafür ist der allgemeine Trend zu kleineren Haushalten, insbesondere in der älteren Bevölkerung. Zudem könnte die steigende Zahl an kurzfristigen Wohngeldbezügen darauf hinweisen, dass Haushalte Wohngeld vermehrt in wechselnden Bedarfssituationen beantragen – zum Beispiel als temporäre Unterstützung bei Einkommensschwankungen oder steigenden Mietkosten. Im Jahr 2022 bezogen nur rund 2 % der Haushalte in Regensburg Wohngeld – dieser Anteil unterlag seit 2011 nur minimalen Schwankungen.
Ein Empfänger von Wohngeld beschreibt die Bedeutung dieser Unterstützungsleistung für seine Lebensrealität:
„Ich hab so einigermaßen Rente und krieg dazu Wohngeld, weil es sonst nicht reichen würde (…) Der Vorteil an der Sache ist, im Alter braucht man halt nicht mehr ganz so viel“ (Herr H, Pos. 27).
Seit der Wohngeldreform von 2023 ist die Inanspruchnahme allerdings bereits im ersten Jahr um circa ein Drittel von 1.875 auf 2.313 Haushalte gestiegen, diese starke Zunahme ist nicht nur in Regensburg, sondern in ganz Deutschland zu beobachten.27
Die ausgezahlten Beträge sind ebenfalls über den Zeitraum seit 2011 im Durchschnitt von 253 € auf 409 € monatlich angestiegen, was einer prozentualen Steigerung von 62 % entspricht. Dies spiegelt weitgehend die oben behandelte durchschnittliche Preisentwicklung wider. Die Anpassung des Wohngeldes an diese Preisentwicklungen ist ein wichtiger Mechanismus zur Abfederung steigender Wohnkosten.
Der Armutsbericht für Regensburg 2011 kam zu dem Befund, dass die Inanspruchnahme von Wohngeld in Regensburg höher ist als in den anderen bayerischen Großstädten. In der Tat ist diese Tendenz laut Landesamt für Statistik auch für 2023 zu erkennen. Allerdings unterscheidet sich die Quote lediglich um + 0,3 % bis + 0,7 %. Eine gravierende Abweichung von vergleichbar großen bayerischen Städten ist demnach nicht zu verzeichnen.28
Hier gilt es allerdings auch beim Wohngeld zu berücksichtigen, dass nicht alle Personen und Haushalte, die einen Anspruch hätten, diesen auch geltend machen: Laut Sozialbericht der Bundeszentrale für politische Bildung ist in Bayern der Anteil der Wohngeldhaushalte besonders niedrig.29 Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Haushalte, die Wohngeld beziehen könnten, keinen Antrag stellt – sei es aus Unkenntnis, bürokratischen Hürden oder dem Gefühl, auf staatliche Hilfen verzichten zu wollen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) ermittelte beispielsweise, dass bis zu 80 % der Familien ihren Wohngeldanspruch nicht in Anspruch nehmen. Zu den Gründen der hohen Nichtinanspruchnahmequoten schreiben die Autoren besagter Studie:
„Als Hauptgründe der Nichtinanspruchnahme monetärer Leistungen sind Unkenntnis, als gering erwartete finanzielle Vorteile, Sprach- und Verständigungsprobleme, Scham, geringes Vertrauen in den Staat, hohe bürokratische Hürden, die Komplexität des Sozialsystems, unzulängliche Verwaltungsabläufe und institutionelle Diskriminierungen zu nennen“30.
Dieser Befund deckt sich auch mit unserer Tafel-Erhebung, in denen mehr als die Hälfte der Befragten angeben, die Beantragung von Sozialleistungen sei zu kompliziert. Zudem bestätigen 38 % der Befragten, Sozialleistungsbezug beschämend zu finden.
Der größte Teil der Empfängerinnen und Empfänger zählt zur älteren Bevölkerung: Die Hälfte befindet sich in Rente. Dies widerspricht der häufig geäußerten These, alte Menschen würden in günstigen Wohnungen leben und wären von der Kostenentwicklung auf dem Mietmarkt nicht so stark betroffen. Die Haushalte im Wohngeldbezug haben zudem häufig sehr geringe Monatseinkünfte (siehe unten).
Mehr als ein Drittel der Empfängerinnen und Empfänger sind Arbeiter/-innen und Angestellte. Dies verdeutlicht, dass Wohngeld insbesondere für Menschen in oder nach der Erwerbsphase eine zentrale Unterstützung darstellt. Für jüngere Menschen in Ausbildung oder Studium greift hier die Wohnpauschale im Rahmen von BAföG-Leistungen.
Hinsichtlich der Einkommensverteilung von Wohngeldbeziehern zeigt sich ein klares Muster:
Abbildung 6: Verteilung der Einkommenshöhe von Wohngeldempfängern

Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung auf Basis von Daten des Amts für Soziales der Stadt Regensburg31
Mehr als die Hälfte der Wohngeldempfängerinnen und -empfänger bezieht ein Einkommen zwischen 500 € und 1.000 €; bei einen Fünftel liegt es zwischen 1.000 € und 1.500 €. Dies zeigt, dass die meisten Bezieherinnen und Bezieher von Wohngeld deutlich unter oder unmittelbar an der Armutsgefährdungsschwelle leben. Wohngeld ist damit eine Unterstützungsleistung, die den Armutsbetroffenen in der Stadt Regensburg direkt zugutekommt, auch hier greift der institutionelle Ansatz der Armutsbekämpfung. Der hohe Anteil an älteren Personen, die diese Leistung erhalten, ist zudem ein starkes Indiz für Altersarmut in der Stadt.
24 Stadt Regensburg 2023: Regensburg in Zahlen (https://www.regensburg.de/fm/121/regensburg-in-zahlen-2023.pdf; Zugriff: 29.01.2023).
25 Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen o.J.: Wohngeld (https://www.bmwsb.bund.de/Webs/BMWSB/DE/themen/stadt-wohnen/wohnraumfoerderung/wohngeld/wohngeld-node.html; Zugriff: 26.10.2024).
26 Amt für Soziales der Stadt Regensburg: Empfänger und Leistungen nach dem Wohngeldgesetz. Daten wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt.
27 Destatis 2024: 80 % mehr Wohngeldhaushalte in 2023 (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Wohngeld/_inhalt.html; Zugriff: 27.01.2025).
28 Wohngeldhaushalte/Wohngeld-Quote (gemessen an Haushalten Mikrozensus)/durchschnittlicher mtl. Wohngeldanspruch:Regensburg: 2790 / 3,2 %/ 336 €; Würzburg: 1885/ 2,5 %/ 305 €; Ingolstadt: 1860/ 2,8 %/ 319 €; Fürth: 1040/ 2,9 %/ 320 €).
Bayrisches Landesamt für Statistik: 22311-102r: Wohngeld: Kreise, reine Wohngeldhaushalte, Durchschnittlicher Wohngeldanspruch, Art des Wohngeldes, Stichtag (https://www.statistikdaten.bayern.de/genesis//online?operation=table&code=22311-102r&bypass=true&levelindex=0&levelid=1743529027193#abreadcrumb; Zugriff: 01.04.2025).
29 Destatis/WZB/BiB 2024: Sozialbericht 2024. Ein Datenreport für Deutschland (https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf; Zugriff: 28.02.2025), S. 337.
30 Deutsches Jugendinstitut (DJI) 2023: Barrieren der Inanspruchnahme monetärer Leistungen für Familien: Abschlussbericht (https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/90215/ssoar-2023-baisch_et_al-Barrieren_der_Inanspruchnahme_monetarer_Leistungen.pdf?sequence=1&isAllowed=y&lnkname=ssoar-2023-baisch_et_al-Barrieren_der_Inanspruchnahme_monetarer_Leistungen.pdf; Zugriff: 28.02.2025).
31 Amt für Soziales der Stadt Regensburg: Empfänger und Leistungen nach dem Wohngeldgesetz. Daten wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt.
Von Expertinnen- und Expertenseite und auch aus Sicht der Politik besteht weitgehende Einigkeit, dass die hohen Mieten und der angespannte Wohnungsmarkt ein Problem für die Stadtbevölkerung darstellen. Die Sozialen Initiativen und das Forum gegen Armut in Regensburg sehen die Entwicklung ebenfalls kritisch. Es würde zwar Wohnraum geschaffen, dieser sei für die Gruppe der armutsgefährdeten Stadtbewohnerinnen und -bewohner jedoch meist nicht geeignet, so die Experten aus dem Sozialsektor.
Die Stadt Regensburg brachte und bringt eine Vielzahl von Initiativen und Projekten auf den Weg, um der Wohnungsknappheit zu begegnen. Dies betrifft z. B. die Erneuerung der Wohnraum-Zweckentfremdungssatzung32 oder die generelle Auseinandersetzung mit Fragen des Leerstands, die von einzelnen Initiativen als durchaus erfolgreich bezeichnet wird, wie beispielsweise hier von einer zivilgesellschaftlichen Initiative berichtet wird:
„Das heißt, wir nehmen alte, abgewrackte Gebäude oder Gebäude, die irgendwie aus der Nutzung fallen, (…) und dann peppen wir die ganz kurz auf, sodass jemand einziehen kann und (…) versuchen über dieses Wohnen die Stadt zu entlasten, den Leerstand zu senken, die Leute zu empowern, sie zu vernetzen und sie zu integrieren (…) Und das funktioniert hervorragend“ (ZG SE, Pos. 20).
Manche dieser Projekte und Ansätze wurden in ihrer Ausgestaltung aus der Not und als kurzfristige Antwort auf Entwicklungen in der internationalen Politik, wie z. B. dem Angriffskrieg gegen die Ukraine und der daraus resultierenden hohen Zahl an schutzsuchenden Menschen entwickelt sowie erfolgreich umgesetzt.
Um allerdings langfristig für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen und damit auch Verbesserungen für Armutsbetroffene herbeizuführen, müssen einerseits in großem Stil Wohnungen gebaut werden, andererseits die Zugänglichkeit für Menschen aller Einkommensschichten gewährleistet werden, wie diese Expertenaussage auf den Punkt bringt:
„In Bezug auf Armut – die Krux in Regensburg ist letztlich die Wohnungsnot. Weil die Wohnungsnot selber tatsächlich dazu führt, dass die Mieten entsprechend hoch sind. Und vor allem der Mangel letztlich an Sozialwohnungen“ (ZG F, Pos. 125).
Die Schaffung von Wohnraum im sozialen Wohnungsbau scheint für die geschilderten Probleme eine gute Lösung zu sein. Gleichzeitig erweist sich die Umsetzung als komplizierte Aufgabe. Im Zwischenbericht zur Regensburger Wohnbauoffensive heißt es:
„Nach wie vor bleibt es eine große Herausforderung, die Zahl von gefördertem Wohnraum zumindest konstant zu halten bzw. nach Möglichkeit zu steigern. Nach Jahren der Stagnation konnte vor allem durch den Zubau von neuem gefördertem Wohnraum die Gesamtzahl im Zeitraum von 2015 bis 2021 von 5.323 auf 5.891 Wohneinheiten erhöht werden. Durch den anhaltenden Wegfall der Bindung der „klassischen“ Sozialwohnungen müssen nach wie vor enorme Anstrengungen unternommen werden, um einen deutlichen Anstieg der öffentlich geförderten Wohnungen zu erreichen“.33
Das Team des Armutsberichts verfügt über keine ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet des sozialen Wohnungsbaus, des Städtebaus und der Immobilienwirtschaft. Wir möchten in den folgenden Ausführungen nur ein paar Punkte diskutieren, die im Zuge der Recherchen zum Thema „Wohnen“ unsere Aufmerksamkeit erregt haben bzw. von den Expertinnen und Experten angesprochen wurden.
Mehr Wohnungen auf den Markt zu bringen und den Anteil der Sozialwohnungen wieder zu erhöhen, scheint, wie gesagt, der entscheidende Schlüssel zu Überwindung der Wohnungsarmut zu sein. Aber werden auch die richtigen Wohnungen gebaut? Einer unserer Experten aus dem Sozialsektor hat hier seine Zweifel.
„Die Stadt Regensburg schafft 1000 bis 1500 Wohnungen im Jahr. Aber alles Investoren. Also Kandisviertel, Dörnberg (…) Aber da ziehen keine Armen ein“ (ZG F, Pos. 128).
Eine Möglichkeit hier Erfolge für die ärmeren Einkommensgruppen zu erzielen, ist für die Stadt Regensburg die Einkommensorientierte Förderung im Sozialen Wohnungsbau (EOF). Hierbei wird nach drei Einkommensgruppen und verschiedenen Haushaltstypen unterschieden. Die Einkommensstufe I in der Förderung steht dabei für besonders bedürftige Personen oder Haushalte. Was versteht man unter einer sogenannten EOF I Wohnung im Unterschied zu den Sozialwohnungen alter Prägung?
„Der Unterschied zwischen einer „klassischen“ Sozialwohnung und einer einkommensorientiert geförderten Wohnung (EOF-Wohnung) ist der Förderweg. Wenn Sie eine EOF-Wohnung beziehen, erhalten Sie von uns auf Antrag die sogenannte Zusatzförderung. Bei Bezug einer „klassischen“ Sozialwohnung ist die Monatsmiete grundsätzlich niedriger und Sie erhalten keine zusätzliche Förderung. Unabhängig davon kann ein Anspruch auf Mietzuschuss nach dem Bundeswohngeldgesetz (WoGG) bestehen“.34
Ziel der Maßnahme ist es „bezahlbaren Wohnraum für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen zu schaffen. Zurzeit sind etwa 60 % der bayerischen Bevölkerung berechtigt einen Wohnberechtigungsschein für geförderte Wohnung zu erhalten“.35 Hierbei erhalten die Vermieter eine ortsübliche Miete und die Mieter können eine Unterstützung zur Mietzahlung beantragen. Auf den ersten Blick erscheint die Zahl von 60 % Prozent förderfähiger Haushalte in Bayern sehr hoch. Die nachfolgende Tabelle macht jedoch deutlich, dass hier in der Tat niedrige bis mittlere Einkommen förderfähig sind. Die typische Betroffenengruppe für „Wohnarmut“ ist hier wohl primär in Stufe 1 zu verorten.
Tabelle 1: Grenzen für Einkommensstufen bzgl. EOF-Förderung

Quelle: Bayrische Staatskanzlei 202336
Der tatsächliche Bedarf und die Bautätigkeit in dieser „Stufe 1“ lässt sich aus nachfolgender Abbildung ablesen. Wie sich unschwer erkennen lässt, stellen Wohneinheiten der Stufe 1 die klare Mehrheit der EOF-Einheiten über die Jahre dar.
Abbildung 7: Entwicklung der EOF-Wohneinheiten seit 2011

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Stadt Regensburg 202237
Der Bericht zur Wohnungsbauoffensive beschreibt dies wie folgt: Es „wird ersichtlich, dass die große Mehrheit der Nachfrage nach gefördertem Wohnraum im EOF I-Bereich liegt. Dies ist auch wenig verwunderlich, da zusätzlich zu der latent hohen Nachfrage einkommensschwacher Haushalte immer mehr „klassische“ Sozialwohnungen aus der Bindung fallen und somit durch EOF-I Wohnungen ersetzt werden müssen“38. Der Bau von EOF-II und EOF-III Wohnungen sei trotzdem wichtig, da sie in Konkurrenz zum regulären Mietmarkt stünden und dadurch einen drückenden Effekt auf den Mietpreis haben könnten. Besondere Nachfrage besteht laut diesem Bericht bei Wohnungen für große Haushalte, ein Befund, der sich mit den Zensusdaten von 2022 deckt.
Vergleichsweise aktuelle Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und Neubauten in Regensburg zeigen, dass sich der Anteil von öffentlich gefördertem Neubau seit 2021 auf einem niedrigen Niveau einpendelt.
Abbildung 8: Baufertigstellungen und Bevölkerungsveränderung im Zusammenhang (2011 – 2023)

Quelle: Stadt Regensburg 202439
Weshalb bleibt der Anteil der geförderten Wohnungen so gering? Hierfür gibt es wohl verschiedene Gründe: Der Anstieg von Baukosten und Zinsen bremst die Wohnbauoffensive stark aus, wie auch Sozialbürgermeisterin Frau Dr. Freudenstein bemerkt:
„Das ist jetzt in der letzten Zeit auch ein ganz schwieriges Thema gewesen, weil die Baupreise so hoch waren und dann ja gar nichts mehr passiert ist“ (Sozialbürgermeisterin Dr. Freudenstein, Pos. 31).
Die zu Verteuerung führenden Bauregularien werden teilweise vom Bund vorgegeben, was Frau Dr. Freudenstein ebenfalls moniert: „Da sind wir eher das letzte Glied in der Kette, glaube ich eigentlich“ (Sozialbürgermeisterin Dr. Freudenstein, Pos. 31). Die von uns geführten Interviews zeigen jedoch auch, dass aus Sicht der Expertinnen- und Experten lokale Vorschriften, z.B. zum Lärmschutz, das Bauen zusätzlich verteuern:
„Was die Kommune meines Erachtens machen könnte, was auch ein ganz großer Kostentreiber ist, ist das Thema Lärmschutz. Es gibt Lärmrichtwerte, die sind in Regensburg erstaunlicherweise höher als in anderen Städten“ (AV SB, Pos. 43).
Ansätze, Programme und Initiativen zur Behebung der Wohnungsknappheit in vollem Umfang zu diskutieren, würde sowohl den Rahmen sprengen und liegen, darauf sein erneut hingewiesen, in vielen Bereichen auch klar außerhalb der Expertise des Berichtsteams.
32 Stadt Regensburg o.J.: Zweckentfremdung (https://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/planungs-u-baureferat/amt-fuer-stadtentwicklung/stadterneuerung-und-wohnungswesen/zweckentfremdung; Zugriff: 28.02.2025).
33 Stadt Regensburg 2022: Zwischenbericht der Wohnbauoffensive. Dr, NR. VO/22/18726/66.
34 Stadt Regensburg o.J.: Für Mieter (https://www.regensburg.de/leben/wohnen-u-bauen/gefoerdertes-wohnen/mieter; Zugriff: 25.02.2025).
35 Regierung von Niederbayern 2023: Einkommensorientierte Förderung (EOF) https://www.regierung.niederbayern.bayern.de/mam/service/veroeffentlichungen/sonstige/kurzinformation-wohnraumfoerderung.pdf; Zugriff: 13.03.2025).
36 Bayrische Staatskanzlei 2023: Abschnitt 2
Einkommensorientierte Förderung (EOF) (https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVV_2330_B_13734-G2_2; Zugriff: 18.02.2025).
37 Stadt Regensburg 2022: Zwischenbericht der Wohnbauoffensive. Dr, NR. VO/22/18726/66 (https://srv19.regensburg.de/bi/___tmp/tmp/45081036566849619/566849619/00350177/77.pdf; Zugriff: 20.03.2025), S. 8.
38 Ebd.
39 Stadt Regensburg 2024: Beschlussvorlage. Gegenstand: Erlass einer Zweckentfremdungssatzung. Dr. Nr. VO/24/21111/66 (https://www.regensburg.de/fm/121/beschlussvorlage-zweckentfremdungssatzung-regensburg-20062024.1892451.pdf; Zugriff: 20.03.2025), S. 8.
Die in den letzten Abschnitten diskutierten Fragen der staatlichen Unterstützungsleistungen und der Förderung des Wohnungsbaus sind für die Gruppe, die im kommenden Abschnitt behandelt wird, nur von mittelbarer Relevanz. Sie trifft die stärkste Form der Wohnarmut – die Obdachlosigkeit.
In der Öffentlichkeit herrscht oft Verunsicherung, worin der Unterschied zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit besteht. Die folgende Definition der Diakonie schafft hier Klarheit:
„Wohnungslosigkeit ist der übergreifende Begriff, Obdachlosigkeit bezeichnet lediglich einen Teil der Wohnungslosigkeit. Als wohnungslos werden alle Menschen bezeichnet, die über keinen mietvertraglich abgesicherten oder eigenen Wohnraum verfügen, obdachlos sind, vorübergehend bei Verwandten oder Bekannten untergekommen sind, in Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege oder in kommunalen Einrichtungen leben. Als obdachlos werden Menschen bezeichnet, die im öffentlichen Raum wie beispielsweise in Parks, Gärten, U-Bahnhöfen, Kellern oder Baustellen übernachten oder über die jeweiligen Ländergesetze der Sicherheit und Ordnung vorübergehend untergebracht sind.“40
Auf Seiten der Kommunen liegen meist nur Daten über Wohnungslose Personen vor, da diese vom Allgemeinen Sozialdienst (ASD) begleitet bzw. in Notwohnanlagen untergebracht werden. Bei Obdachlosenunterkünften lassen sich zumindest die Belegungszahlen statistisch erfassen. Obdachlose Personen, die diese Einrichtungen und Dienste nicht nutzen (also z. B. in Parks oder auf der Straße leben), fallen unter das sogenannte Dunkelfeld: Ihre genaue Zahl lässt sich nicht einmal annähernd gesichert angeben. Dies gilt auch für die Stadt Regensburg. Nachfolgend wird trotz dieser Schwierigkeiten und Lücken in der Datenlage versucht, einen Überblick über ihre Situation zu geben.
Aus den Daten des Sozialamts ergibt sich, dass 2022 im Schnitt 183 Menschen in Wohnungsnot pro Monat untergebracht wurden. Die meisten Wohnungslosen befanden sich in der Notwohnanlage in der Aussiger Straße. Hier leben im Jahresmittel 125 Personen, darunter auch Familien mit Kindern, die Auslastung lag bei 63 %. Nicht alle Räume sind in gutem Zustand: Die Ausstattung und Qualität der Notwohnung sind nach allgemeiner Einschätzung nicht ideal. Die Stadt bemüht sich jedoch, einen Standard zu bieten, der über die minimalen Anforderungen hinausgeht: „Wir können theoretisch ein Containerdorf aufbauen und sagen: Heizung und kaltes Wasser, Toilette – reicht“ (SR SozA, Pos. 22). Dies ist von Seiten der Stadt allerdings weder so gewünscht noch für die Zukunft geplant. Die Debatte um die Unterbringung wurde und wird in der Stadtpolitik allerdings schon länger kontrovers diskutiert, was auch die aktuelle Debatte um die Zwischennutzung des Hochhauses in der Daimlerstraße als „Flexi-Haus“ für Obdachlose zeigt.
„Wenn ich den ganzen Tag schaue, wo krieg ich was zu essen her, wo kann ich schlafen? Und das ist halt, wie gesagt, in Regensburg gibt es halt nicht wirklich viel. Ich bin jetzt zurzeit im NOAH untergebracht“ (Herr J, Pos. 4).
Obdachlose Menschen in Regensburg nutzen hauptsächlich die Obdachlosenunterkunft Noah in der Landshuter Straße. Hier finden im Schnitt 45 Personen eine Unterkunft für die Nacht, die Auslastung beträgt 82 %. Weiterhin steht die Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße zur Verfügung, die mit durchschnittlich 12 Personen am Tag eine Auslastung von 78 % hatte.
In der Notwohnanlage am Kreuzhof wurden während der Pandemie 2022 coronapositiv getestete Obdachlose und/oder Verdachtsfälle untergebracht. Die Notwohnanlage bietet 15 Plätze. Regensburg hatte also zu diesem Zeitpunkt eine Maximal-Kapazität für 290 Personen im Stadtgebiet.41 Mit dem Chancenhaus in der Augsburger Str. soll eine weitere Verbesserung der Infrastruktur erreicht werden.
Ob dies ausreichend ist, wird in der Stadt intensiv debattiert. Eine zivilgesellschaftliche Organisation hat einen eigenen Blick auf die Situation:
„Wenn ich den ganzen Tag schaue, wo krieg ich was zu essen her, wo kann ich schlafen? Und das ist halt, wie gesagt, in Regensburg gibt es halt nicht wirklich viel. Ich bin jetzt zurzeit im NOAH untergebracht“ (Herr J, Pos. 4).
Dass die Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose zu knapp seien, sehen auch die Nutzerinnen und Nutzer selbst so. Sie berichten von Enge und Überbelegung in verschiedenen Einrichtungen. Einer unserer Interviewpartner, Herr J, betont, dass es seiner Einschätzung nach in Regensburg deutlich zu wenige Plätze in den Notunterkünften gibt und dass die Nachfrage sehr hoch ist (Herr J, Pos. 43). Herr J beschreibt außerdem eine große Wohndichte, wenn er sagt, dass die Unterkunft „platzt“ (Herr J, Pos. 19).
„Und wie gesagt, das sind 100 Leute, das reicht bei weitem nicht. Also so bald da einer geht, ist das Bett schon wieder besetzt (…) Also es ist wirklich brutal“ (Herr J, Pos. 20).
Auch Herr Ü erzählt zu seiner Unterkunft, dass dort „ein Haufen Leute“ sind (Herr Ü, Pos. 60).
Das Leben in Obdachlosigkeit geht mit einem hohen Stresslevel und psychosozialen Belastungsfaktoren einher. Herr J beschreibt Belastungssituationen in seinem Alltag als Obdachloser wie folgt:
„Das ist extrem, also es ist schon, es ist wirklich anstrengend, ne? Weil du halt auch immer weitergehen musst, ne? (…) Wenn du dich da an die Donau hockst, dann kommt die Polizei und jagt dich da weiter (…) Aber mit dem können wir es eh machen, dann kann man wieder die Tasche durchsuchen und Personalien aufnehmen, ne? Immer das gleiche Ding, ne?“ (Herr J, Pos. 79 – 84)
Dieser Ausschnitt macht das beständige Gefühl des Getrieben-Seins von vielen Obdachlosen deutlich. Diese Erfahrung hat wiederum wohl einen unmittelbaren Einfluss auf den psychosozialen Zustand der Betroffenen. Wie sich das Leben in Obdachlosigkeit und die Situation in Notunterkünften konkret auf die psychische Verfasstheit der Menschen in Obdachlosigkeit niederschlägt, hat Linda Weber im Rahmen ihrer Bachelorarbeit untersucht und ist zu folgendem Ergebnis gekommen:
Linda Weber
Das Bereitstellen von Notunterkünften ist Pflicht der Kommune und ein elementarer Bestandteil der Wohnungslosenhilfe. Die Rechtsprechung zu den Mindeststandards von solchen Unterkünften ist sehr dünn, es liegen viele Empfehlungen vor, die jedoch rechtlich nicht verankert sind. Als Folge dieser fehlenden Mindeststandards sind Unterkünfte häufig exkludierend und belastend gestaltet.
Aus unangemessenen Wohnbedingungen können psychische Erkrankungen und Belastungssymptome folgen. Die zuvor genannten rechtlichen Mängel führen dazu, dass in Unterkünften elementare Wohnbedürfnisse meist nicht erfüllt werden können und viele Stressoren präsent sind.
Psychisch erkrankte Menschen sind besonders vulnerabel für Stress aus der Umgebung. Unter wohnungslosen Menschen ist ein großer Anteil psychisch erkrankt. Teils folgt Wohnungslosigkeit auf psychische Erkrankung, teils umgekehrt. Bedingungen in Unterkünften können Erkrankungen hervorrufen oder vorhandene verstärken, aber auch schützen. Es wird überlegt, wie eine bedarfsgerechte Unterkunft für psychisch erkrankte wohnungslose Menschen aussehen müsste, um eine gute Versorgung zu schaffen. Neben einem verstärkten Blick auf besondere Bedarfe von Teilgruppen braucht es dringend eine bessere Kooperation mit dem psychiatrischen Hilfesystem. Bedingungen in Unterkünften können eine schnelle Vermittlung in eigenen Wohnraum begünstigen oder behindern. Dabei spielt Sozialberatung eine wichtige Rolle. Sind Unterkünfte so gestaltet, dass sie gut für die psychische Verfassung sind, dann hilft das auch bei der Überwindung von Wohnungslosigkeit, die am wichtigsten für das psychosoziale Wohlbefinden ist.
In diesem Zusammenhang zu nennen ist die SEEWOLF-Studie, im Rahmen derer die seelische Erkrankungsrate in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Großraum München untersucht wurde. Dabei konnte festgestellt werden, dass wohnungslose Menschen zweimal häufiger an seelischen Erkrankungen leiden sowie eine um den Faktor fünf erhöhte Rate an Persönlichkeitsstörungen vorliegt. Die Studienautoren gehen davon aus, dass einerseits die psychischen Belastungsfaktoren aufgrund der Wohnungs- und Obdachlosigkeit die Prävalenz an einer psychischen Störung zu erkranken erhöht. Andererseits kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die psychischen Auffälligkeiten den Eintritt in die Wohnungslosigkeit mitbedingen.42
Neben Obdachlosen mit psychischen Erkrankungen, stellen Frauen in Wohnungs-/ Obdachlosigkeit eine weitere besonders vulnerable Gruppe mit spezifischen Bedarfen dar. Grit Schirmann hat sich dazu in ihrer Bachelorarbeit mit den Ursachen und Auswirkungen von Wohnungslosigkeit bei Frauen auseinandergesetzt und bringt dies wie folgt auf den Punkt:
Grit Schirmann
Wohnungslosigkeit ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von familiären, strukturellen und persönlichen Faktoren. Sowohl Ursachen als auch Bewältigungsstrategien, Erscheinungsweisen und Unterstützungsbedarfe von Menschen in Wohnungsnotfallsituationen unter¬scheiden sich geschlechtsspezifisch. So sind Frauen häufiger als Männer von verdeck¬ter Wohnungslosigkeit betroffen. Für den Wohnungsverlust von Frauen spielen traditionelle Geschlechterverhältnisse und häus¬liche Gewalt eine wesentliche Rolle. Gewalt ist oft nicht nur der Auslöser, sondern prägt auch das Leben in Wohnungslosigkeit maßgeblich.
Ein Leben in Wohnungslosigkeit geht nicht nur mit einer erheblichen materiellen Entbehrung einher, sondern führt auch zu Einschränkun¬gen in der sozialen Teilhabe und der Gesundheit. Darüber hinaus sind wohnungslose Personen vielfältigen Stigmatisierungsprozessen ausgesetzt. So kommt es vor, dass sie aus öffentlichem Raum vertrieben werden und einen erschwerten Zu¬gang zu Arbeit, Wohnraum und dem Gesundheitssystem haben. Für Frauen ist das geschlechtsspezifische Risiko von (sexueller) Gewalt besonders hoch. Dies liegt unter anderem daran, dass es in den Hilfseinrichtungen häufig an Rückzugsmöglichkeiten mangelt und einige Frauen zur Bewältigung ihrer Notlage Zweckpartnerschaften eingehen und / oder sexuelle Dienstleistungen anbieten.
Basierend auf diesen Erkenntnissen sollten spe¬zifische Hilfsangebote bereitstehen, um Frauen in Wohnungsnot zu erreichen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Trotz des breiten Spektrums an Hilfen der Stadt Regensburg bestehen Lücken in der sozialräumlichen Infrastruktur. Insbesondere verdeckt wohnungslose Frauen, von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen, die sich nicht offenbaren wollen, sowie Frauen, die einen geschützten Tagesaufenthalt benötigen, werden durch die Angebote nicht ausreichend versorgt.
Dies verdeutlicht den spezifischen Unterstützungsbedarf von Frauen in Wohnungslosigkeit, insbesondere im Hinblick auf den Schutz vor körperlicher und sexueller Gewalt. Besonders erfreulich in diesem Zusammenhang ist die Ankündigung der Eröffnung des „Caritas Marienheim – ein beschützendes Dach für Frauen“ im Frühjahr 2025. Dies stellt einen wichtigen Baustein zur adäquaten Versorgung dieser vulnerablen Gruppe dar.
In den Interviews äußerten mehrere obdachlose Befragte den Bedarf nach Tagesstruktur sowie einem wettergeschützten Aufenthaltsort für tagsüber.
Um seinen Tag zu strukturieren, ist Herr J beispielsweise ehrenamtlich tätig, weil er nicht „nur ständig irgendwo rumhocken“ (Herr J, Pos. 20) könne. Ähnlich sinngebend empfindet auch Herr Y seine ehrenamtliche Tätigkeit (Herr Y, Pos. 13). Diese beiden Beispiele verdeutlichen zwei sehr wichtige Eigenschaften von (ehrenamtlichen) Tätigkeiten: Zum einen strukturieren Aufgaben den Tag, zum anderen sind sie sinnstiftend. Beide Faktoren tragen dazu bei, dass die Wahrnehmung von Zeit sich verändert, sodass weniger der Druck aufkommt, „halt irgendwas [zu machen, W. B.], damit der Tag rumgeht“ (Herr Y, Pos. 46). Die Wirkung einer sinnstiftenden Tätigkeit zu erleben, trägt auch dazu bei, sich nicht in Passivität zu verlieren: Herr J berichtet, dass er durch diese Aufgabe „nicht abstumpft“ (Herr J, Pos. 20) und sie ihm „am Kopf sehr gut“ (Herr J, Pos. 98) tut.
In Zusammenhang mit der Tagesstruktur steht auch der nächste Punkt: In den Interviews wird deutlich, dass es obdachlosen Menschen häufig an einem Platz fehlt, an dem sie sich tagsüber längere Zeit aufhalten können und vor dem Wetter geschützt sind. Mehrfach genannt werden Parks als Aufenthaltsorte (Herr Ö, Pos. 144; Herr Ü, Pos. 78), die jedoch im Freien und somit nicht (wetter)geschützt sind. Herr J benennt im nachfolgenden Zitat, dass er tagsüber keinen Zugang zu einem geschützten Aufenthaltsort hat:
„Das wäre schon ideal, wenn es sowas mehr geben würde (…) Tagestreffs, weil wie gesagt, was mach ich ohne Geld, wo treib ich mich rum? (…) Die Leute, die halt um neun raus müssen, die müssen von neun bis um drei halt die Zeit überbrücken, ne? Das ist dann schon lang, ne?“ (Herr J, Pos. 53)
Ein Tagestreff, wie er von Herrn J erwähnt wird, könnte neben einem geschützten Aufenthalt auch weitere, besonders für Menschen in Obdachlosigkeit wichtige Bedürfnisse decken. So unter anderem eine Postanschrift, die mitunter für die Beantragung von Leistungen notwendig ist. Herr Y erzählt diesbezüglich: „Ich bin regelmäßig beim Drugstop. […] Und weil da meine Post kommt“ (Herr Y, Pos. 28). Für Personen, die nicht suchtkrank sind, entfällt die Möglichkeit, die Postanschrift über Drugstop einzurichten, in einem Tagestreff für obdachlose Personen wäre dies für alle bedürftigen Menschen möglich.
Ebenso könnte ein Tagestreff auch Möglichkeiten zum Duschen, Wäschewaschen und Kochen zur Verfügung stellen. Letzteres ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, denn Obdachlosigkeit geht mit einem permanenten Unterwegs-Sein einher, da es keine Räume der Ruhe und des Ankommens für diese Menschen gibt. Neben den psychosozialen Belastungen hat dies auch körperliche Auswirkungen:
„Also irgendwann merkt sich das Körper, du bist den ganzen Tag auf den Beinen, weil du als Obdachloser ja ständig, ich sag mal, du on Tour bist, ne? […] Also es ist immer so ein Ding, also du bist auch immer viel unterwegs, hast aber gar nicht die Energie dazu, dass du ständig unterwegs bist. Weil du halt die Ernährung gar nicht hast, ne? Also das merkt man halt schon, also es zehrt schon größer am Körper, ne? Also ich meine, ich hab vor, ich glaub vor 3 oder 4 Monaten, hab ich noch fast 90 Kilo gewogen, ne? Und jetzt fühl ich mich gleich 75“ (Herr J, Pos. 44).
Ergänzend sinnvoll sind in einem Tagestreff sicherlich die Möglichkeit persönliche Dokumente in einem Schließfach sicher zu verwahren und einen Internetzugang zu haben.43 Die zunehmende Digitalisierung des Alltags und auch des Zugangs zu Ämtern, Informationen und Hilfsmöglichkeiten trifft diese Gruppe besonders stark, hier könnte niederschwellig Abhilfe geschaffen werden.
Aus unseren Betroffeneninterviews lassen sich Wünsche nach mehr Unterkünften, Tagestreffs und Möglichkeiten zur Ruhe zu kommen ablesen. Die Stadt Regensburg und die sozialen Einrichtungen vor Ort unternehmen schon eine Vielzahl von Anstrengungen und es findet eine intensive Debatte in der Stadtgesellschaft über weitere Maßnahmen statt. Dies ist auch weiter dringend nötig, denn Obdachlosigkeit stellt – wie bereits erwähnt – eine extreme soziale Problemlage im Zusammenhang mit dem Bereich „Armut und Wohnen“ dar. Sie bedeutet für die betroffenen Personen körperliche, seelische und soziale Belastungen bis hin zur Gefahr der völligen Exklusion. Alltägliche Bedürfnisse wie Hygiene, Ernährung, Unterkunft, soziales Miteinander aber auch Behördenkontakte fallen unter diesen Bedingungen extrem schwer und sind für die Betroffenen mit großem Aufwand verbunden.
Eine städtische Wohnungs- und Armutspolitik muss dieser besonders vulnerablen Gruppe der Obdachlosen daher besonderes Augenmerk widmen. Die Schaffung von Aufenthaltsräumen, die Sensibilisierung für die oft auch psychischen Belastungen der Betroffenen und die Schaffung zusätzlicher geeigneter niederschwelliger Anlauf- und Unterstützungsstrukturen und Wohnmöglichkeiten ist hierbei elementar.
Zum Abschluss des Kapitels „Wohnen“ möchten wir uns mir einer Frage befassen, die in der Stadtsoziologie und in der Sozialen Arbeit im Zusammenhang mit Armut uns Stadtentwicklung häufig diskutiert wird: die Frage der Segregation im Stadt- und Sozialraum.
40 Diakonie Deutschland (o.J.): Hintergrund und Zahlen. Was ist der Unterschied zwischen Wohnungs- und Obdachlosigkeit (https://www.diakonie.de/wissen-kompakt-wohnungs-und-obdachlosigkeit; Zugriff: 27.10.2024).
41 Aussiger Str.: 205, Kreuzhof/Taunusstr.: 15, NOAH: 55
42 Bäuml, Josef/Baur, Barbara/Brönner, Monika/Pitschel-Walz, Gabriele/Jahn, Thomas 2016: Die SEEWOLF-Studie: Seelische und körperliche Erkrankungen bei wohnungslosen Menschen. Lambertus Verlag: Freiburg im Breisgau. Seiten 223 – 233.
43 AWO München Stadt o.J.: otto&rosi. Offener Tagestreff Ost (https://www.awo-muenchen.de/fileadmin/Spezielles/Otto_und_Rosi/Flyer_otto-rosi_2021.pdf; Zugriff: 05.03.2025).
Armut verteilt sich, wie weiter oben in diesem Kapitel bereits angedeutet, nicht gleichmäßig über den städtischen Raum. Die räumliche Konzentration sozioökonomisch benachteiligter Gruppen in bestimmten Quartieren wird als Soziale Segregation bezeichnet. Die daraus resultierenden Herausforderungen sind vielschichtig und beeinflussen maßgeblich zentrale Lebensbereiche der Betroffenen wie beispielsweise Arbeit, Bildung, Gesundheit sowie soziale und kulturelle Teilhabe. Für die Stadt Regensburg, die von einer heterogenen sozioökonomischen Dynamik gekennzeichnet ist, stellt die Bekämpfung der Sozialen Segregation einer der zentralen Herausforderungen dar, um weitereichende soziale Exklusionsprozesse zu verhindern.44
Die Interviews mit den Expertinnen und Experten zeigen, dass die Thematik der Segregation eng mit der rückläufigen Infrastruktur in bestimmten Stadtteilen in Regensburg zusammenhängt. Besonders in Quartieren mit einer höheren Konzentration sozialer Probleme sind wichtige Versorgungsangebote nicht mehr vorhanden oder schwerer erreichbar – eine Entwicklung, die vor allem ältere Menschen zunehmend vor große Herausforderungen stellt:
„Die Nahversorgung ist rückläufig. Es gibt keine Nahversorgung mehr für die Leute, keine Geschäfte mehr, selbst die kleinen Geschäfte machen zu. Die müssen teilweise irgendjemanden finden, der sie zum Supermarkt fährt“ (SR ASDS, Pos. 48).
Aus Perspektive der Armutsbetroffenen wird Segregation in erster Linie mit der eingeschränkten Wohnortwahl in Regensburg in Verbindung gebracht. Die überwiegende Mehrheit einkommensschwacher Haushalte sind auf geförderten Wohnraum oder verhältnismäßig günstige Mietangebote angewiesen. Da sich günstiger Wohnraum wiederum vor allem in Vierteln mit hoher Sozialhilfedichte konzentriert, führt dies zu einer marktbedingten Zuweisung von Armutsbetroffenen in benachteiligte Wohngebiete:
„Ich hatte Glück mit einer Sozialwohnung, weil anders geht es sowieso nicht“ (Frau Ä, Pos. 73).
Das vorliegende Kapitel gibt einen Einblick in die sozialräumlichen Lebenswelten von Armutsbetroffenen und zeigt auf, welche konkreten Benachteiligungen sich durch den Wohnstandort in segregierten Gebieten Regensburg ergeben. Zunächst werden die räumlichen Muster und Ursachen sozialer Segregation dargestellt, bevor daran anschließend die spezifischen Auswirkungen auf betroffene Personengruppen, insbesondere mit Fokus auf ältere Armutsbetroffene, näher beleuchtet werden.
44 Bürger, Tobias/Klug, Petra 2020: Demografietypisierung 2020 Typ 7: Großstädte und Hochschulstandorte mit heterogener sozioökonomischer Dynamik (https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/74_Wegweiser-Kommune/Typ_7.pdf; Zugriff: 11.03.2025), S. 9.
„Segregation gilt nicht per se als Problem“45. Viele Haushalte ziehen bewusst in sozial homogene Wohnumfelder – sei es aus pragmatischen oder kulturellen Gründen. Beispielsweise bevorzugen Familien oft Randbezirke mit guter Kinderbetreuung, während junge Erwachsene die innerstädtische Nähe zu kulturellen und sozialen Angeboten suchen.
Problematisch wird soziale Segregation jedoch, wenn sie zur räumlichen Ausgrenzung führt: Stadtquartiere mit einem hohen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Gruppen werden häufig als „Problemviertel“ oder „Soziale Brennpunkte“ etc. stigmatisiert. Bewohnerinnen und Bewohner solcher Gebiete erleben Exklusion in vielfältiger Weise – von erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund der Adresse bis hin zu sozialer Isolation durch fehlende Begegnungsräume.
Der Sozialbericht Regensburg 2011 konnte im Rahmen von kleinräumigen Clusteranalysen bereits „eindeutig benachteiligte Gebiete mit grundlegenden strukturellen Defiziten identifizieren“46. In diesem Abschnitt soll analysiert werden, in welchen Regensburger Stadtteilen sich Armut besonders konzentriert und welche Entwicklungen der Quartiere über den Zeitraum stattgefunden haben.
Sozialraumanalysen dienen dazu, räumliche Muster sozialer Ungleichheit empirisch zu erfassen. Insbesondere quantitative Sozialraumanalysen ermöglichen es, strukturelle Disparitäten sichtbar zu machen und Stadtgebiete mit erhöhtem Armutsrisiko zu identifizieren.47
Während großräumige Analysen und gesamtstädtische Berichterstattungen oft im Fokus stehen, bleibt die innerstädtische Armutsverteilung häufig unberücksichtigt:
„Deutlich weniger Aufmerksamkeit wurde bisher kleinräumigen Analysen innerhalb der Städte geschenkt. Und das obwohl die sozialen Unterschiede bei der Armutsverteilung innerhalb von Städten weitaus größer sind als die Unterschiede zwischen verschiedenen Kreisen und Gemeinden“48.
Kleinräumige Analysen helfen, diese lokalen Disparitäten sichtbar zu machen und sozialpolitische Maßnahmen gezielter auszurichten. Einen ersten Überblick über sozial benachteiligte Quartiere in Regensburg bietet der städtische Sozialindex 2023.
Der Regensburger Sozialindex ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Sozialberichterstattung und stellt eine wichtige Grundlage zur Identifikation sozialräumlicher Benachteiligung dar. Er wurde im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses im Anschluss an den Sozialbericht 2011 gefordert, um Armutsgefährdung systematisch zu erfassen und gezielte Maßnahmen in der Stadtplanung zu ermöglichen.49
Der Index umfasst 71 Monitoringbereiche im Stadtgebiet und setzt sich aus vier Indikatoren zusammen: dem Anteil der ausländischen Bevölkerung, der Alleinerziehendenquote sowie den Anteilen an Arbeitslosen und Leistungsberechtigen nach SGB II. Wie bereits in den Ausführungen zur Sozialstruktur in Regensburg ersichtlich, weisen alle diese Indikatoren auf eine erhöhte Armutsgefährdung hin. Aus diesem Grund stellt der Regensburger Sozialindex ein geeignetes Mittel dar, um Quartiere zu identifizieren, in denen von einem erhöhten Anteil an Armutsbetroffenen auszugehen ist.
Abbildung 14: Regensburger Sozialindex 2023

Quelle: Stadt Regensburg 202350
Die Karte des Sozialindex 2023 zeigt eine Konzentration hoher Werte insbesondere im östlichen Teil Regensburgs. Besonders betroffen ist das Quartier rund um das Gleisdreieck in den Bereichen des Ostenviertels (28), am hohen Kreuz (30) und Kasernenviertel (33, 35). Weiterhin verdichten sich soziale Problemlagen östlich (38) und westlich (44) der Hochschule sowie im Stadtnorden im Bereich der Isarstraße Ost/Gewerbepark (23) und rund um die Schlesierstraße bzw. Chamer Straße (17).
Ein Vergleich mit dem Sozialbericht 2011 zeigt, dass sich viele dieser Räume bereits damals durch strukturelle Benachteiligungen auszeichneten, insbesondere das Ostenviertel (28) und die Schlesierstraße (17). Gleichzeitig gab es auch Veränderungen: Das östliche Kasernenviertel, also das Gebiet mit dem höchsten Sozialindexwert (35), war im 2011er Bericht als unauffällig ausgewiesen. Durch die zwischenzeitliche Errichtung des Ankerzentrums haben sich allerdings die Proportionen in der Bevölkerungszusammensetzung verschoben. In Ankerzentren werden eben – ganz nach deren Bestimmung – nur Menschen ausländischer Herkunft untergebracht und dies beeinflusst statistisch den Index. Auch die Isarstraße (23) wurde im früheren Bericht als unproblematisch eingestuft und weist heute einen deutlich erhöhten Indexwert auf.
Obwohl der Regensburger Sozialindex eine wichtige Grundlage zur sozialräumlichen Analyse darstellt, stößt er in bestimmten Aspekten an methodische Grenzen. Während der Indexwert zwar auf den sozialen Belastungsgrad in einem Gebiet hinweist, sind darin jedoch keinerlei Informationen über die konkrete sozialstrukturelle Zusammensetzung der Räume enthalten. Um diese Differenzierungen adäquater zu erfassen, wurde eine ergänzende Clusteranalyse durchgeführt. Ziel dieser Analyse ist es, sozial belastete Quartiere nicht nur anhand eines Gesamtindex zu bewerten, sondern sie auf Basis spezifischer sozialräumlicher Merkmale in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. Dies ermöglicht eine fundiertere Grundlage für eine bedarfsgerechte und nachhaltige Sozial- und Quartiersplanung.
„Unterschiedliche Quartierstypen enthalten sozial unterschiedlich zusammengesetzte Armutspopulationen“52 – darüber besteht in der Segregationsforschung eine breite Einigkeit. Der Regensburger Sozialindex hat bereits aufgezeigt, welche Stadtgebiete eine erhöhte Armutsgefährdung aufweisen. Nun stellt sich vor allem die Frage, welche sozialen Strukturen diese Quartiere prägen. Denn sozial belastete Gebiete können sich stark unterscheiden – sei es in ihrer Altersstruktur, der Haushaltszusammensetzung oder den Bildungs- und Erwerbsbiografien der Bewohnerinnen und Bewohner.
Bei einer Klassifizierung53 von städtischen Räumen nach acht Armutsindikatoren konnten insgesamt 5 Quartierstypen mit unterschiedlichen sozialräumlichen Merkmalen identifiziert werden:
Über das Stadtgebiet verteilen sich die soeben dargestellten Raumtypen wie folgt:
Abbildung 15: Übersicht zu gebildeten Raumtypen auf Basis von Armutsindikatoren

Quelle: Eigene Darstellung
In der folgenden Interpretation beziehen wir uns insbesondere auf die Raumtypen 3 (rot) und 4 (dunkelrot), insofern diese auf eine erhöhte Armutsgefährdung hinweisen.
Im Vergleich zum Sozialindex ergibt sich ein auffällig ähnliches Bild: Erhöhte Armutsbelastung im Osten rund um das Gleisdreieck, im Südwesten Burgweintings sowie im Norden im Bereich der Isarstraße Ost und in Wutzlhofen im nördlichen Teil der Konradsiedlung. Auffällig wird durch diese Form der Abbildung das „Band“ an sozial problematischeren Quartieren, das sich vom Hohen Kreuz über das Gleisdreieck bis hin zur Ganghofersiedlung westlich des Hochschulcampus erstreckt.
Unterschiedlich fällt die Beurteilung der Räume am Weinweg im nördlichen Westheimviertel sowie der Dr.-Gessler Straße in Königswiesen aus. Im Regensburger Sozialindex weisen die beiden Gebiete einen eher unauffälligen Sozialindex vor, während die Clusteranalyse die beiden Areale als Quartiere mit hoher Armutsgefährdung identifiziert. Insbesondere auf das Gebiet am Weinweg ist aufgrund des starken Anstiegs der Arbeitslosigkeit von 4 % im Zeitraum zwischen 2018 und 2022 ein besonderes Augenmerk zu legen.
Trotz dieser Form der Klassifizierung von Räumen mittels Überkategorien, können sich selbst Gebiete desselben Raumtyps teils stark unterscheiden. So fällt beispielsweise auf, dass in der Isarstraße-Ost der Anteil an über 65-Jährigen stark erhöht ist, während im Lisa-Meitner-Weg in Burgweinting ein sehr hoher Anteil an Alleinerziehenden lebt. In Wutzlhofen hingegen ist aufgrund der auffallend hohen durchschnittlichen Haushaltsgröße von sehr vielen Mehrpersonenhaushalten auszugehen.
Jedoch würde eine ausführliche Erläuterung der individuellen sozialräumlichen Gegebenheiten der armutsgefährdeten Räume in Regensburg den Rahmen dieses Berichts sprengen. Zudem wären weitere finanzielle Ressourcen notwendig, um dahingehend eine umfassende Analyse zu bewerkstelligen. Ein Beispiel einer solch ausführlichen Problem- und Bedarfsanalyse unterbreiten wir am Ende dieses Kapitels anhand der Isarstraße-Ost.
Sozialindices und Clusteranalysen sind ein bewährtes Instrument, um räumliche Muster sozialer Ungleichheit abzubilden, können jedoch kleinräumige Differenzierungen oft nicht adäquat erfassen. Sozialräumliche Segregation vollzieht sich häufig nicht auf Stadtteilebene, sondern vor allem auf Mikroebene. Deshalb können sich bereits innerhalb einzelner Wohnblöcke oder Straßenzüge stark unterschiedliche soziale Bedingungen finden.54
45 Häußermann, Hartmut/Siebel, Walter 2008: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 183.
46 Stadt Regensburg 2011: Bericht zur sozialen Lage 2011. Quantitative Analyse (https://www.regensburg.de/fm/121/stadt-regensburg-sozialbericht-2011.pdf; Zugriff: 12.03.2025), S. 85.
47 Spatscheck, Christian/Wolf-Ostermann, Karin 2023: Sozialraumanalysen. Ein Arbeitsbuch für soziale, gesundheits- und bildungsbezogene Dienste. 2. akt. und überarb. Aufl. (https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838545806; Zugriff: 12.03.2025), S. 104 ff.
48 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) 2024: Sozialstruktur und soziale Lagen Auszug aus dem Sozialbericht 2024 (https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/07_sozialbericht_24_bf.pdf; Zugriff: 13.03.2025), S. 268.
49 Stadt Regensburg 2016: Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen und Folgen von Armut [Lfd.Nr.: 458 Nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität in „benachteiligten“ Stadtteilen] (https://www.regensburg.de/fm/121/bericht-massnahmen-zur-armutsbekaempfung-2016.pdf; Zugriff: 10.03.2025).
50 Stadt Regensburg 2023: Regensburger Sozialindex. Sozial- und Demographiemonitoring (https://www.regensburg.de/fm/121/statisitk-regensburger-sozialindex-2023.pdf; Zugriff: 10.03.2025).
51 Meier-Gräwe, Uta/Dorn, Markus/Mardorf, Silke 2008: Entwicklung eines lebenslagen- und haushaltsbezogenen Datenmodulsystems zur Qualifizierung von kommunalen Armuts- und Sozialberichterstattungsvorhaben (ELHDAMO) (https://www.yumpu.com/de/document/view/9881859/entwicklung-eines-lebenslagen-und-haushalts-bezogenen-; Zugriff: 11.03.2025), S.194 ff.
52 Kronauer, Martin/Vogel, Berthold 2004: Erfahrung und Bewältigung von Ausgrenzung in der Großstadt: Was sind Quartierseffekte, was Lageeffekte? In: Häußermann, H./ Kronauer, M./ Siebel, W. (Hg.): An den Rändern der Städte. Armut und Ausgrenzung, Frankfurt/M.: 235–257, S. 256.
53 Fragen zur Methodik werden in Kapitel 3 geklärt
54 Keller, Carsten 2018: Armut und Sozialraum. In: Böhnke, Petra/Dittmann, Jörg/Goebel, Jan (Hg.): Handbuch Armut. Opladen/Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 258 – 269, S.262 f.
Die Entstehung von Quartieren mit hoher Armutskonzentration ist ein vielschichtiger Prozess, der historische, wirtschaftliche und soziale Faktoren umfasst. Im Folgenden werden zentrale Mechanismen beleuchtet, die zur sozialräumlichen Segregation und einhergehend zur Entwicklung benachteiligter Quartiere führen.
Die räumliche Konzentration benachteiligter Bevölkerungsgruppen in bestimmten Stadtteilen ist oft das Ergebnis historischer Stadtentwicklung. Insbesondere der Stadtosten vieler europäischer Städte weist eine höhere Armutsquote auf – eine Entwicklung, die bis zur Industrialisierung zurückreicht.
„Vor allem in unseren Breitengraden ist der Stadtosten immer das Problemgebiet (…), weil die schlechten Gerüche [der Industrie] durch die Westwindrichtung in den Osten getrieben werden und auch eine erhöhte Verschmutzung im Osten der Stadt (…) Stadt stattfindet. Deswegen wurde Industrie (…) in den Osten rausgeschoben. Und so entstehen halt eben diese Stadtteile, die einfach schwächer sind.“ (AV QM, Pos. 2)
Auch in Regensburg zeigt sich diese Tendenz: Historisch bedingt siedelten sich Industrie und Gewerbe vor allem im Osten der Stadt an – parallel dazu zogen sozial schwächere Bevölkerungsgruppen in die Nähe dieser Arbeitsplätze, was die sozialräumliche Differenzierung über Jahrzehnte hinweg verfestigte.
Ein wesentlicher Treiber der sozialen Segregation sind wohnungs- und immobilienwirtschaftliche Marktmechanismen. Der qualitative Segregationsansatz von Häußermann und Siebel betont hierbei die Wechselwirkung zwischen staatlicher Wohnungsmarktregulierung, Investitionsverhalten von Wohnungsunternehmen und individuellen Wohnentscheidungen.55 Stadtteile mit niedrigen Mietpreisen ziehen einkommensschwache Haushalte an, während wohlhabendere Gruppen tendenziell segregierte Quartiere meiden.
Diese Mechanismen werden durch strukturelle Defizite verstärkt:
„Wir haben ja auch das Problem, dass sich gewisse Infrastrukturen einfach nicht entwickeln. Also wir haben wesentlich weniger Ärzte zum Beispiel, wesentlich weniger Einkaufsmöglichkeiten, (…) geringeren Sanierungswillen von Bauträgern (…) Dadurch entstehen günstige Immobilien, die dann für Gemeinschaftsunterkünfte genutzt werden, und so wird immer wieder alles (…) rausgelagert.“ (AV QM, Pos. 4)
Zusätzlich weisen die Aussagen der Betroffenen darauf hin, dass der Wohnungsmarkt selbst für einkommensschwache Haushalte immer weniger bezahlbare Alternativen bietet. Viele der Befragten äußern eine gewisse Alternativlosigkeit, wie zum Beispiel folgender Ausschnitt verdeutlicht:
„Ich hab schon letztes Jahr gesagt, die Wohnung ist zu teuer. […] Die machen mir immer Probleme: ‚Die Wohnung ist zu teuer, Sie müssen in eine mit Wohnberechtigungsschein und Sie müssen wirklich suchen und suchen‘ […] Aber wo willste ne billigere Wohnung herkriegen?“ (Frau A, Pos. 93, 53)
Der angespannte Wohnungsmarkt, der rückläufige Sozialwohnungsbestand und die fehlenden Investitionen in die Infrastruktur begünstigen die dauerhafte Konzentration einkommensschwacher Haushalte in bestimmten Quartieren.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Binnenmigration innerhalb der Stadtgebiete. Untersuchungen zeigen, dass sozial benachteiligte Quartiere durch Wegzugsbewegungen sozioökonomisch stärkerer Haushalte zunehmend verfestigt werden. Dieses Phänomen wird in der Fachdebatte unter dem Terminus selektive Wanderungsprozesse diskutiert.56 Bereits der Sozialbericht 2011 weist auf diesen Mechanismus hin:
„Zudem sind die Gebiete dieses Clusters [Gebiete um das Gleisdreieck] am stärksten vom Wegzug in andere Stadtbereiche (Binnenwanderung) betroffen, was unter Umständen auf einen stattfindenden Segregationsprozess hinsichtlich der ausländischen Bevölkerung hindeuten könnte“57
Während einkommensstärkere Haushalte abwandern, ziehen zunehmend einkommensschwächere Haushalte nach, wodurch sich die soziale Segregation weiter verschärft.
Neben den selektiven Wanderungsprozessen kann es auch zu einem kollektiven sozialen Abstieg eines ganzen Quartiers kommen – dem sogenannten Fahrstuhleffekt. Dieser beschreibt, dass wirtschaftliche Krisen oder sozialpolitische Einschnitte die gesamten oder großen Teile der Quartiersbevölkerung betreffen, ohne dass Ab- oder Zuwanderung eine Rolle spielt. Besonders betroffen sind Arbeiterviertel oder gefährdete Stadtteile, wie etwa Gebiete des Typs 4 unserer Analyse.
Die sozialräumliche Segregation ist kein statischer Zustand, sondern bringt für die betroffenen Quartiere tiefgreifende Folgen mit sich. Diese zeigen sich, wie bereits dargestellt, in einer schlechteren Infrastrukturversorgung, aber auch in einer eingeschränkten sozialen Mobilität, einer erhöhten sozialen Isolation sowie einer erhöhten Gesundheitsbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner.
Ein zentrales Merkmal benachteiligter Stadtteile ist die unzureichende Ausstattung mit Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Dies betrifft sowohl die Versorgung mit Einkaufsmöglichkeiten und medizinischer Infrastruktur als auch den Zugang zu Bildungseinrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Untersuchungen zur Erreichbarkeit zentraler Infrastrukturen in Regensburg zeigen, dass Quartiere mit sozialen Herausforderungen deutlich schlechter angebunden sind als sozial weniger belastete Stadtteile oder innenstadtnahe Gebiete:
„Personen in schlechter typisierten Sozialräumen (…) verfügen demnach signifikant häufiger über nachteiligere Erreichbarkeitsbedingungen von Einrichtungen und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge bzw. eine signifikant schlechtere ÖPNV-Erreichbarkeit.“58
Gerade für ältere Menschen oder Haushalte ohne Auto bedeutet dies erhebliche Einschränkungen in ihrem Alltag. Ein Experte beschreibt die Problematik folgendermaßen:
„Wenn man jetzt von uns ausgeht, der nächste Supermarkt (…) [ist] halt doch ein Fußweg ist von über einem Kilometer – was dann fußläufig für Seniorinnen schwierig ist Und wenn ich jetzt mir überlege, dass jemand mit Rollator oder gar mit Rollstuhl oder so unterwegs ist und auch keinen direkten ÖPNV-Anschluss hat an Supermärkte, etc., dann wird es dann einfach schwierig.“ (AV QM, Pos. 12)
Aber nicht nur Einrichtungen der kritischen Infrastruktur sind in den sozial schwächeren Gebieten defizitär, sondern den Menschen fehlen auch niedrigschwellige soziale Hilfsangebote direkt in den Quartieren:
„Es fehlen in der Stadt Sozialarbeiter, die uns da unterstützen oder wo man hingehen könnte und die, wo die beraten oder mit so Papierkram unterstützen. (…) Aber da gehört mehr so Anlaufstellen oder in die Wohngegenden, da auch ein Büro, dass da einer drin hockt“ (Frau A, Pos. 148).
Die schlechte Infrastruktur in diesen Vierteln ist jedoch nicht nur Folge der Segregation, sondern verstärkt diese zusätzlich. Mit dem Rückgang der Kaufkraft und dem Wegzug finanziell besser gestellter Haushalte nimmt auch die wirtschaftliche Attraktivität der Quartiere ab. Dies führt dazu, dass Einzelhandel, medizinische Versorgung und Bildungsangebote zunehmend ausgedünnt werden – ein Mechanismus, der sich zunehmend selbst verstärkt und schlimmstenfalls in einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale endet.59
Die schlechtere Infrastrukturversorgung und die eingeschränkte Mobilität in benachteiligten Quartieren wirken sich nicht nur auf die Lebensqualität aus, sondern beeinflussen auch soziale Netzwerke. Der Wegzug besser situierter Haushalte führt dazu, dass verbliebene Bewohnerinnen und Bewohenr zunehmend auf Kontakte innerhalb des eigenen Milieus angewiesen sind. Dies verändert die sozialen Strukturen und verstärkt langfristig die soziale Exklusion. Wie diese Mechanismen konkret wirken, wird im folgenden Abschnitt zu den Kontexteffekten näher betrachtet.
55 Häußermann, Hartmut/Siebel, Walter 2008: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 154.
56 Häußermann, Hartmut/Kapphan Andreas 2004: Berlin: Ausgrenzungsprozesse in einer europäischen Stadt. In: Häußermann, Hartmut/Kronauer, Martin/Siebel, Walter (Hg.): An den Rändern der Städte. Armut und Ausgrenzung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 203 – 234, S. 213 f.
57 Stadt Regensburg 2011: Bericht zur sozialen Lage 2011. Quantitative Analyse (https://www.regensburg.de/fm/121/stadt-regensburg-sozialbericht-2011.pdf; Zugriff: 13.03.2025), S. 83.
58 Graßl, Maximilian 2023: Sozialräumliche Di¬fferenzierung und Erreichbarkeit Statistische und GIS-gestützte Analysen mit kleinräumigen Daten am Beispiel der Stadt Regensburg (https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/35950/file/978-3-95826-253-9_Grassl_OPUS_35950.pdf; Zugriff: 13.03.2025), S. 147.
59 Häußermann, Hartmut/Siebel, Walter 2008: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S.171.
Soziale Segregation verändert nicht nur die materielle Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern beeinflusst zudem auch soziale Netzwerke und damit den Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit dem Wegzug wirtschaftlich stabilerer Haushalte verringert sich der Austausch mit anderen sozialen Milieus, was die soziale Mobilität zusätzlich einschränkt.
In Vierteln mit hoher Armutsquote verengen sich soziale Netzwerke zunehmend auf Menschen mit ähnlichen sozioökonomischen Problemen. Dies erschwert den Zugang zu informellen Ressourcen, etwa zu Arbeitsplätzen oder Bildungsmöglichkeiten. Untersuchungen zeigen, dass Haushalte mit niedrigem sozioökonomischem Status ihre Kontakte verstärkt innerhalb ihres Quartiers pflegen, wodurch informelle Netzwerke, die für den Zugang zum Arbeitsmarkt entscheidend sein können, fehlen. So gilt das soziale Netzwerk als eine der wichtigsten Ressourcen zur Lebensbewältigung für statusniedrige Bevölkerungsgruppen.60
Auch der Zugang zu Bildung ist durch soziale Segregation eingeschränkt. Während es in wohlhabenderen Stadtteilen eine größere Auswahl an weiterführenden Schulen gibt, fehlen in benachteiligten Vierteln oft Gymnasien und andere höhere Bildungseinrichtungen. Dies beeinflusst die Bildungswege der Kinder erheblich, da sie für weiterführende Schulen längere Wege in Kauf nehmen müssen.
„Wir haben hier zum Beispiel keine weiterführenden Schulen. Also, wir haben hier nur die Grundschulen und Mittelschulen. Aber wir haben jetzt zum Beispiel kein Gymnasium hier in der Ecke. Also, das ist ja schon mal etwas, was ja die Leute irgendwo auch handicapt, ja. Also, wenn jetzt die Kinder in ein Gymnasium gehen wollen, müssen sie mindestens in die Innenstadt.“ (AV QM, Pos. 12)
Eltern mit höheren Einkommen umgehen diese Problematik oft, indem sie ihre Kinder auf Schulen außerhalb des Quartiers schicken oder in andere Stadtteile ziehen. Dadurch werden öffentliche Schulen in segregierten Vierteln verstärkt von sozial benachteiligten Schülern besucht, was die soziale Durchmischung weiter reduziert. Für die Kinder und Jugendlichen, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder Arbeitslosigkeit weit verbreitet sind, können diese Sozialisationsbedingungen verheerende Folgen haben:
„[W]enn Jugendliche in ihrem Bekanntenkreis niemanden mehr kennen, der durch Erwerbstätigkeit einen bescheidenen Lebensunterhalt verdient, hingegen einige, die sich durch kriminelle Aktivitäten ohne sonderlichen Aufwand eine spektakuläre Lebensführung ermöglichen und sich obendrein über den Schulbesuch lustig machen – welche Handlungsalternativen liegen dann nahe?“61
Fehlende positive Rollenvorbilder und begrenzte soziale Netzwerke verstärken so die Gefahr, dass junge Menschen kaum Perspektiven für einen sozialen Aufstieg entwickeln können.
„Ich habe Leute, die einfach versuchen, irgendwie auf die Beine zu kommen, dann aber keinen Schulabschluss haben, keine Lehrstelle bekommen, dann nur über Zeitarbeit oder Hilfsarbeiten etc. irgendwie an Geld kommen, aber auch dort schlecht behandelt werden und vielleicht dann doch über andere Wege dann Möglichkeiten finden, leichter, schneller, an (…) mehr Geld zu kommen“ (AV QM, Pos. 30).
Neben den aufgezeigten Einschränkungen hinsichtlich des Zugangs zu Bildung und zum Arbeitsmarkt erleben viele Bewohnerinnen und Bewohner segregierter Viertel auch eine zunehmende soziale Isolation.
Der Mangel an sozialen Anlaufstellen und Begegnungsräumen trägt dazu bei, dass sich Menschen in benachteiligten Quartieren stärker zurückziehen. Besonders ältere Bewohner sind hiervon betroffen, wie eine Betroffenenaussage verdeutlicht:
„Ich finde es ganz schön wichtig auch, dass wir Älteren nicht vereinsamen. (…) Man kann einiges selber tun, aber viele kapseln sich zu Hause ein, kennen vielleicht nur ihren Fernseher. Da müsste einfach mehr gemacht werden“ (Herr H, Pos. 41).
Einige der Expertinnen und Experten aus dem sozialen Sektor bestätigen, dass es insbesondere im Osten und im Norden Regensburgs zu wenige „natürliche“ Begegnungsräume gebe. Angebote werden zwar geschaffen, aber die Schwierigkeit liege darin, dass die teilweise kulturell heterogenen Gruppen gemeinsam an diesen teilnehmen. Dazu hat eine Expertin einen pragmatischen Vorschlag:
„Also ehrlicherweise glaube ich schon, dass viele offener werden, wenn es zweisprachig angeboten ist. Also wenn man reinschreibt, Yoga-Kurs, zweisprachig heute Deutsch, Russisch (…) Oder Kochkurs, zweisprachig Deutsch, Türkisch zum Beispiel. Dann glaube ich, ist das ein ganz anderer, ja, runterbrechen von Barrieren zu machen, würde ich jetzt mal sagen. Und dann kann man es natürlich auch in den Communities kommunizieren“ (ZG SRI1, Pos. 30).
Neben der sozialen Isolation erleben viele Bewohnerinnen und Bewohner benachteiligter Stadtteile auch eine Stigmatisierung aufgrund ihrer Wohnadresse. Viertel mit hoher Armutsquote werden oft mit negativen Stereotypen wie Kriminalität oder Arbeitslosigkeit assoziiert. Dies hat direkte Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und die Chancen der dort lebenden Menschen.
Diese Form der territorialen Stigmatisierung62 erschwert den Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt und führt nicht selten dazu, dass sie ihre Adresse verschweigen oder sogar in andere Stadtteile ziehen, um Diskriminierung zu vermeiden. Studien zeigen, dass solche symbolischen Benachteiligungen die soziale Mobilität zusätzlich einschränken, da sie nicht nur Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft verstärken, sondern auch zu einer internen Resignation führen können.63 Ein Betroffener bringt diesen Effekt wie folgt zum Ausdruck:
„Wenn einer jetzt wirklich … also die Situation, dass einer nicht in Arbeit ist, ist nicht angenehm. (…) Dann wird sofort abgeblockt. (…) Wer in so ein Viertel wohnt oder runterfällt, der will gar nicht mehr groß was sagen, weil er sich schämt.“ (Herr I, Pos. 27)
Die Kombination aus sozialer Isolation und territorialer Stigmatisierung kann erhebliche psychische Belastungen mit sich bringen. Einsamkeit, fehlende soziale Unterstützung und gesellschaftliche Ausgrenzung sind Faktoren, die sich langfristig auf die psychische Gesundheit der Bewohner auswirken (siehe Kapitel 10). Im nächsten Abschnitt werden hingegen diejenigen Belastungsfaktoren sozial benachteiligter Quartiere beleuchtet, die sich auf die physische Gesundheit der Menschen auswirken.
Die bisherigen Kapitel haben die Ursachen und Auswirkungen sozialer Segregation auf struktureller Ebene beleuchtet. Doch wie gestalten sich diese Effekte konkret im benachteiligten Quartier? Das nächste Kapitel bietet eine Binnenperspektive auf das Gebiet der Isarstraße, das exemplarisch für sozialräumliche Benachteiligung in Regensburg steht.
60 Farwick, Andreas 2004: Segregierte Armut: Zum Einfluß städtischer Wohnquartiere auf die Dauer von Armutslagen. In: Häußermann, Hartmut/Kronauer, Martin/Siebel, Walter (Hg.): An den Rändern der Städte. Armut und Ausgrenzung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 286 – 314, S. 302.
61 Häußermann, Hartmut/Siebel, Walter 2008: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 166 f.
62 Wacquant, Loïc 2006: Das Janusgesicht des Ghettos und andere Essays. Basel: Birkhäuser, S.28.
63 Häußermann, Hartmut/Siebel, Walter 2008: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 169 f.
Die zuvor dargelegte Herangehensweise hat bereits wichtige Erkenntnisse zur Konzentration von Armut in bestimmten Regensburger Quartieren geliefert. Dennoch sind hierzu ergänzende Analysen notwendig, da „rein datengestützte Informationen allein nicht ausreichen, tatsächliche Bedarfs- und Problemräume zu identifizieren. Relevant ist auch die Einschätzung und Beurteilung der dort lebenden Bevölkerung oder der dort agierenden Schlüsselpersonen sowie die Innen- und Außenwahrnehmung eines bestimmten Stadtteils, insbesondere im Zeitverlauf“64.
Folgend zeigen wir exemplarisch am Beispiel der Isarstraße-Ost, wie quantitative und qualitative Untersuchungen zusammengeführt werden können, um ein umfassendes Bild der Situation von benachteiligten Wohnquartieren zu schaffen.
Das Quartier Isarstraße-Ost weist eine Reihe sozialstruktureller Besonderheiten auf, die auf eine hohe Konzentration von Armutsbetroffenen hindeuten. Besonders auffällig ist die hohe Arbeitslosigkeit sowie der überdurchschnittliche Anteil an Menschen, die auf SGB-II-Leistungen angewiesen sind. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Haushalt liegt unter dem städtischen Schnitt, während die Mieten vergleichsweise niedrig sind. Dies deutet darauf hin, dass das Quartier vorrangig von einkommensschwachen Haushalten bewohnt wird. Auf das Einzugsgebiet des Raums kommen sehr viele Wohnungen, was für eine stark ausprägte Wohndichte spricht.
Ein weiteres prägendes Merkmal ist die demografische Struktur: Der Anteil der über 65-Jährigen ist hier besonders hoch, was im Zusammenspiel mit den Arbeitsmarktindikatoren auf eine verstärkte Altersarmut hinweist.65 Gleichzeitig fällt der Anteil junger Erwachsener geringer aus als in anderen Stadtteilen, was auf eine schwächere soziale Durchmischung hindeuten könnte.
Trotz eines erhöhten Migrationsanteils unterscheidet sich die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung nicht grundlegend vom übrigen Stadtgebiet. Auffällig hingegen ist der vergleichsweise geringe Anteil an Alleinerziehenden, was auf eine differenzierte soziale Struktur innerhalb des Quartiers hindeutet.
Diese Faktoren lassen darauf schließen, dass das Wohngebiet der Isarstraße-Ost ein Quartier mit erhöhtem sozialpolitischem Handlungsbedarf ist. Besonders die Kombination aus wirtschaftlicher Benachteiligung, einer älteren Bevölkerung, hoher Wohndichte und einer begrenzten Wohnraumverfügbarkeit stellt eine Herausforderung für die soziale Infrastruktur dar.
Stimmen aus den Interviews mit Expertinnen und Experten bestätigen, dass die infrastrukturelle Versorgung im Regensburger Norden rückläufig und unzureichend sei, worunter auch das Quartier der Isarstraße fällt:
„Also natürlich, wenn man sagt, was wäre noch eine Verbesserung, wären (…) Außenstellen in anderen Stadtteilen. Also da sehe ich vor allem auch den Norden von Regensburg“ (SR SenA, Pos. 22).
Zur Ermittlung von konkreten Bedarfs- und Problemlagen in Quartieren kommt sowohl in der Forschung als auch in der Praxis zum Zwecke der Sozial- und Stadtentwicklungsplanung die Methode der qualitativen Sozialraumanalyse zum Einsatz. Eine solche wurde im Gebiet der Isarstraße durchgeführt, deren Ergebnisse im Folgenden dargestellt werden sollen66.
Zunächst dient eine Luftbildaufnahme zur besseren Imagination des Einzugsbereichs, um welchen es folgend gehen soll:
Abbildung 16: Isarstraße-Ost 07.02.03.02 – 05

Quelle: Stadt Regensburg67
Die bauliche Struktur des Quartiers ist geprägt durch großflächige Wohnkomplexe mit mehrstöckigen Gebäuden. Diese Bauweise begünstigt eine Monotonie des Stadtraums, die wenig Anreize für Begegnung und soziale Interaktion bietet. Zwar gibt es Grünflächen, doch sind viele davon privat oder schwer zugänglich, wodurch sie nicht als gemeinschaftliche Treffpunkte genutzt werden können.
Auffällig ist die geringe Präsenz von Menschen im öffentlichen Raum. Insbesondere ältere Bewohnerinnen und Bewohner scheinen sich weitgehend aus dem Viertel zurückzuziehen. Dies deutet darauf hin, dass die vorhandene Infrastruktur keine ausreichenden Anreize für eine aktive Nutzung des öffentlichen Raums bietet. Die geringe Aufenthaltsqualität wird zusätzlich durch einen Mangel an Sitzmöglichkeiten, schlechte Beleuchtung und fehlende barrierefreie Wege verstärkt.
Ein zentrales Problem des Quartiers ist die unzureichende soziale Infrastruktur. Während die Grundversorgung durch Discounter wie Penny und Norma gewährleistet ist, fehlen zentrale Einrichtungen wie ein größerer Supermarkt, eine Postfiliale oder weitere Bankfilialen. Dies betrifft vor allem mobilitätseingeschränkte Personen, die auf fußläufig erreichbare Angebote angewiesen sind. Die Schließung des ehemaligen Edeka-Marktes verdeutlicht die rückläufige Nahversorgung und die geringe Attraktivität des Standorts für den Einzelhandel.
Darüber hinaus fehlt es an sozialen Begegnungsorten. Gastronomische Betriebe und der Einzelhandel übernehmen punktuell diese Funktion, doch offene Treffpunkte für unterschiedliche soziale Gruppen wurden generell nicht identifiziert. Insbesondere für ältere Menschen gibt es kaum niedrigschwellige Angebote, was die Gefahr sozialer Isolation erhöht.
Die Verkehrsanbindung der Isarstraße ist grundsätzlich solide: Mehrere Bushaltestellen ermöglichen eine Verbindung in die Innenstadt. Allerdings fehlt ein ergänzendes Mobilitätsangebot, etwa durch Taxidienste oder alternative Transportmöglichkeiten für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Der motorisierte Individualverkehr ist vergleichsweise gering, was entweder auf eine hohe Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder auf wirtschaftliche Einschränkungen innerhalb der Bewohnerschaft hinweisen könnte. Zwar gibt es verkehrsberuhigte Bereiche und Fußgängerüberwege, doch diese sind nicht flächendeckend ausgebaut. Die Erreichbarkeit zentraler Einrichtungen ist damit für viele Bewohnerinnen und Bewohner, insbesondere ältere Menschen, eine Herausforderung.
Das Quartier weist kaum identitätsstiftende oder öffentlich positiv besetzte Orte auf. Historische Gebäude oder stadtbildprägende Plätze sind nicht vorhanden. Einzige Ausnahme bildet eine moderne katholische Kirche, deren Angebote sich jedoch eher an eine jüngere Zielgruppe richten.
Gleichzeitig sind im Viertel Zeichen von Vernachlässigung und sozialer Spannung sichtbar. Beschädigte Werbeflächen, politische Graffitis und zerrissene Wahlplakate verdeutlichen konkurrierende politische Narrative im öffentlichen Raum.
Ein weiteres sozialräumliches Phänomen ist die sichtbare Randständigkeit bestimmter Gruppen: Insbesondere im Umfeld eines Einkaufszentrums wurden ältere, teils alkoholisierte Personen beobachtet. Dies könnte auf fehlende soziale Unterstützungsstrukturen hinweisen und verstärkt das Stigma des Quartiers als sozial belasteter Raum.
Die Ergebnisse der Stadtteilbegehung verdeutlichen, dass das Quartier Isarstraße mit erheblichen infrastrukturellen und sozialen Herausforderungen konfrontiert ist. Während die Wohnbebauung funktional erscheint, fehlt es an Begegnungsräumen, einer durchdachten sozialen Infrastruktur und einer ausreichenden Nahversorgung.
Besonders problematisch ist die geringe Nutzung des öffentlichen Raums, die auf mangelnde Aufenthaltsqualität und soziale Isolation hinweist. Dies betrifft insbesondere ältere Menschen, die durch fehlende Angebote weiter aus dem sozialen Leben des Quartiers gedrängt werden. Darüber hinaus tragen Zeichen von Vernachlässigung zur Abwertung des Quartiers bei.
Ohne gezielte Maßnahmen zur Stärkung sozialer Infrastruktur, zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Förderung der sozialen Durchmischung droht eine weitere Verfestigung der sozialen Segregation.
Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat die soziale Ungleichheit in den größten 153 Städten Deutschlands untersucht, worunter auch Regensburg fällt. Das Ergebnis: Im Städtevergleich weist Regensburg keine besonders starken Segregationsmuster auf, weder nach sozialen Indikatoren noch nach ethnischer Herkunft.68 Die Studie kommt jedoch zum Ergebnis, dass „die Segregation einkommensstarker Gruppen in Städten mit hohem Mietniveau stärker zu[nimmt] als in Städten mit niedrigem Mietniveau“69, was auch auf die Stadt Regensburg zutrifft. Das WZB warnt dahingehend:
„Sind die Einkommensgruppen besonders ungleich verteilt, verstärkt dies automatisch die soziale Spaltung einer Stadt. Ist also ein bestimmtes Maß an sozialer Segregation überschritten, erschwert dies zum einen das Gegensteuern“70
Im Rahmen dieses Kapitels konnten Quartiere in Regensburg identifiziert werden, die besonders stark von Armut betroffen sind. Insbesondere in den Gebieten im Stadtnorden – in der Isarstraße-Ost sowie in der Pommernstraße – drohen sich Segregationsprozesse aufgrund unzureichender sozialer Infrastruktur zu verfestigen. Doch auch Gebiete wie in Burgweinting-Süd-West rund um den Lise-Meitner-Weg oder der Bereich um den Weinweg-Ost sollten wegen fehlender sozialer Anlaufstellen im Einzugsgebiet durch die städtische Sozialplanung in den Fokus genommen werden.
Unmittelbar damit verbunden stellt sich die Frage, was gegen soziale Segregation und deren Folgen getan werden kann. Eine der Antworten darauf lautet: soziale Durchmischung. Dementsprechend befürworten einige der Expertinnen und Experten die Bemühungen der Stadt Regensburg, die in diese Richtung abzielen, um Abwärtsspiralen von ohnehin schon benachteiligten Gebieten zu verhindern:
„[D]as ist zum einen immer ganz gut, wenn man die Leute einfach verteilt, (…) dass man die Leute nicht einfach in eine Region stecken sollte, wie es früher der Fehler gemacht wurde, um dann nicht vom Ghetto-Burgweinting oder Ghetto-Königswiesen zu sprechen“ (ZG SRI1, Pos. 45).
Problematisch ist die generelle Rückläufigkeit des sozialen Wohnungsbaus und die Anzeichen darauf,
„dass der soziale Wohnungsbau nicht (mehr) dem Ziel dient, eine soziale Durchmischung in deutschen Städten zu erreichen, sondern nur noch Wohnraum zur Verfügung zu stellen, damit sich ärmere Personengruppen überhaupt noch Wohnraum leisten können. Diese Sozialwohnungen sind dann auch eher in ohnehin benachteiligten Quartieren zu finden und verstärken die Armutssegregation zusätzlich“71
Ebendiese Mechanismen gilt es bei der Stadt- und Sozialplanung zu berücksichtigen.
Demgegenüber kann Sozialer Segregation auch dadurch entgegengetreten werden, dass benachteiligte Quartiere so aufgewertet werden, dass sie auch für einkommensstärkere Gruppen attraktiv werden. Mittels Sanierungen bestehender Wohngebäude, Schaffung von Infrastruktur oder Ausbau von Erholungs- und Freizeitflächen im Stadtteil können Anreize geschafften werden, in den jeweiligen Stadtteil ziehen zu wollen. Dazu gehört unter anderem auch die Investition in schulische Bildungseinrichtungen, da Abwanderungsprozesse sozioökonomisch stärkerer Haushalte häufig aufgrund der subjektiv schlechten wahrgenommenen Bildungschancen für Kinder geschehen.72
Zuletzt ist es geboten, die Folgen der Segregation adäquat zu bearbeiten, unter anderem durch den Einsatz der Sozialen Arbeit in benachteiligten Quartieren, um die negativen Auswirkungen abzufedern und insbesondere den dort lebenden Kindern und Jugendlichen gerechtere Startchancen zu bieten. Ein Beispiel dafür ist das Startchancenprogramm, welches im laufenden Schuljahr 2024/2025 angelaufen ist und Investitionen in das Schulgebäude, Unterrichtsentwicklung sowie in sozialpädagogisches Fachpersonal ermöglicht.73 Eine Prüfung, ob die Möglichkeit der Förderung für die Grund- und Mittelschulen in und nahe den armutsgefährdeten Quartieren besteht, wäre dahingehend sehr wünschenswert. Ein konkreter Vorschlag wie die (Um-)Orientierung des sozialen Sektors an sozialräumliche Gegebenheiten zur Verbesserung der Situation von armutsbetroffenen Menschen beitragen kann, wird in Teil III dieses Berichts unterbreitet.
64 Meier-Gräwe, Uta/Dorn, Markus/Mardorf, Silke 2008: Entwicklung eines lebenslagen- und haushaltsbezogenen Datenmodulsystems zur Qualifizierung von kommunalen Armuts- und Sozialberichterstattungsvorhaben (ELHDAMO) (https://www.yumpu.com/de/document/view/9881859/entwicklung-eines-lebenslagen-und-haushalts-bezogenen-; Zugriff: 11.03.2025).
65 Helbig, Marcel 2023: Hinter den Fassaden. Zur Ungleichverteilung von Armut, Reichtum, Bildung und Ethnie in den deutschen Städten. Discussion Paper 2023–003. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) (https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2023/p23-003.pdf; Zugriff: 17.03.2025), S. 131.
66 Hinsichtlich der methodischen Herangehensweise sei hier auf Kapitel 3 verwiesen.
67 Stadt Regensburg o. J.: Geoportal (https://geoportal.regensburg.de/geoportal/Basic/#; Zugriff: 20.03.2025).
68 Helbig, Marcel 2023: Hinter den Fassaden. Zur Ungleichverteilung von Armut, Reichtum, Bildung und Ethnie in den deutschen Städten. Discussion Paper 2023–003. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) (https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2023/p23-003.pdf; Zugriff: 17.03.2025), S. 125.
69 Ebd., S. 10.
70 Ebd., S. 132.
71 Ebd., S. 134.
72 Häußermann, Hartmut/Kapphan Andreas 2004: Berlin: Ausgrenzungsprozesse in einer europäischen Stadt. In: Häußermann, Hartmut/Kronauer, Martin/Siebel, Walter (Hg.): An den Rändern der Städte. Armut und Ausgrenzung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 203 – 234, S. 213.
73 Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus o.J.: Startchancen Programm (https://www.km.bayern.de/gestalten/foerderprogramme/startchancen-programm; Zugriff: 17.03.2025).
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