„Es gibt auf kommunaler Ebene keine einheitliche Systematik zur Erfassung der Komplexität des Phänomens Armut. Folglich sind vorhandene Armutsberichte methodisch uneinheitlich und nur schwer miteinander vergleichbar“.1
Das voranstehende Zitat aus dem Jahr 2001 hat noch heute große Aktualität. Die Armutsberichte der deutschen Kommunen weisen auch im Jahr 2025 noch große Unterschiede auf. Dies hat eine Vielzahl von Ursachen: Wer beauftragt und verantwortet den Bericht und welche Ressourcen stehen zur Verfügung?2 Weitere entscheidende und meist limitierende Faktoren sind die Verfügbarkeit der benötigten Daten und der Zeitrahmen für die Berichtslegung. Ein wesentlicher letzter Punkt ist, wer den Bericht am Ende erstellt.
Der letzte Sozial- und Armutsbericht, der in Regensburg im Jahr 2011 vorgelegt wurde, hatte eine deutlich zu erkennende sozialgeographische Ausrichtung. Der aktuelle Bericht spiegelt dagegen einerseits Fragen der Zivilgesellschaft zur Armutsbetroffenheit in der Stadt. Anderseits ist er von den theoretischen und empirischen Arbeitsschwerpunkten der beiden beteiligten Professuren an der OTH Regensburg geprägt. Ziel des aktuellen Berichts ist es, neben der Präsentation des nötigen Zahlenwerks, das Leben von armutsbetroffenen Menschen in der Stadt so sichtbar wie möglich zu machen.
Diese Frage anschaulich und nachvollziehbar zu beantworten, war dabei das leitende Motiv unseres Vorgehens. Unter den folgenden Punkten finden Sie Hinweise und Erklärungen dazu, welche Schwerpunkte der Bericht hat, wie man Armut messen kann, welche Datenquellen genutzt wurden und wie das Team vorgegangen ist.
1 Wahl 2001, S. 25f., zitiert in: Meier-Gräwe,Uta/Dorn, Markus/Mardorf, Silke 2005: Entwicklung eines lebenslagen- und haushaltsbezogenen Datenmodulsystems zur Qualifizierung von kommunalen Armuts- und Sozialberichterstattungsverfahren. Verfasst im Auftrag des BMFSFJ, S. 10.
2 Siehe hierzu systematisch die sehr interessanten Analysen von Meier-Gräwe et al. 2005: S. 50ff.
Für den vorliegenden Bericht wurde eine Schwerpunktsetzung vorgenommen. Der Bericht sollte sich vertieft mit Altersarmut und Einsamkeit befassen.
Wie kam es dazu? Im Rahmen der deutschen Armutsberichterstattung werden seit vielen Jahren immer wieder ähnliche vulnerable Gruppen benannt: Langzeitarbeitslose, Menschen ohne Schulabschluss und Berufsausbildung, Alleinerziehende, Migrantinnen und Migranten und seit dem Ende des letzten Jahrhunderts zunehmend Kinder und Jugendliche. In den letzten Jahren kam eine neue Bevölkerungsgruppe hinzu, die in der Vergangenheit nicht überproportional von Armut betroffen war: ältere und alte Menschen.3
Das Team für den Regensburger Armutsbericht traf sich im Vorfeld der Arbeiten mit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern von Initiativen, Sozialverbänden, der Zivilgesellschaft und der Stadt. Im Rahmen dieser Treffen wurden immer wieder zwei Themen hervorgehoben, die aus Sicht der städtischen Gesellschaft eine besondere Relevanz hätten: Altersarmut und das Thema Einsamkeit. Der Punkt der Einsamkeit wurde häufig mit dem Thema Alter verknüpft. Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass Altersarmut gerade in Bayern ein wichtiges Thema darstellt:
Die Armutsgefährdungsquote von Menschen ab 65 Jahren nach Landesmedian ist in Bayern höher als die in allen anderen Bundesländern. 2022 lag sie, gemessen am Landesmedian, bei 21,9 %. Nach vorläufigen Zahlen lag sie 2023 bei 21,4 %. Sie ist zudem innerhalb von Bayern für diese Altersgruppe höher als für alle anderen Altersgruppen. Auffällig ist auch der große Unterschied der Armutsgefährdungsquote von Frauen und Männern in Bayern: Für Frauen ab 65 Jahren lag sie 2022 bei 24,6 %, für Männer ab 65 bei 18,6 %. Nach den vorläufigen Zahlen für 2023 zu urteilen, hat sich dieses Gefälle seitdem noch verstärkt, da die Quote der Männer seitdem stärker gesunken ist (auf 17,6 %) als die der Frauen (auf 24,5 %).4
Altersarmut ist also gerade in Bayern ein wichtiges Thema. Daher wird In den weiteren Berichtsteilen das Thema Altersarmut immer wieder punktuell aufgegriffen und analysiert. Altersarmut empirisch und analytisch zu erfassen, ist methodisch nicht ganz einfach – wo sich gesicherte Daten fanden, wurden diese in den Bericht aufgenommen.5 Das Thema Einsamkeit wird punktuell aufgegriffen und ausführlich hier behandelt.
Zudem wurden Überlegungen zu speziellen Handlungsempfehlungen angestellt und in den Bericht integriert. Altersarmut ist ein komplexes Problem, bei dem sich insbesondere Fragen der kommunikativen Erreichbarkeit, des Dunkelfeldes sowie der Scham der Armutsbetroffenen bündeln und angemessene Reaktionen durch Ämter wie auch die soziale Infrastruktur der Stadt erschweren.
Das Gesamtkonzept des vorliegenden Berichts folgt einem vierteiligen Verfahren: einer quantitativen Analyse auf Basis amtlicher Statistiken und Kennzahlen, qualitative Expertinnen- und Experteninterviews, eine qualitative Befragung von Armutsbetroffenen in Regensburg und zudem wurde eine Sozialraumanalyse durchgeführt. Flankiert wird dieses Vorgehen von einer Vielzahl von studentischen Abschlussarbeiten. Der genaue Aufbau wird in den nächsten Punkten dargestellt.
3 Siehe hierzu z. B. Destatis 2022: Armutsgefährdung sowie materielle und soziale Entbehrung bei älteren Menschen (https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/armutsgefaehrdung.html; Zugriff: 06.01.2025).
4 Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: 22811-Z-02: Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht und Altersgruppen (5) (Bundesmedian) – Jahr – regionale Tiefe: Bundesländer (ab 2020) (https://www.regionalstatistik.de/genesis/online?operation=previous&levelindex=0&step=0&titel=Tabellenaufbau&levelid=1739012348614&acceptscookies=false#abreadcrumb; Zugriff: 08.02.2025).
Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: 22811-Z-03: Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht und Altersgruppen (5) (Landesmedian) – Jahr – regionale Tiefe: Bundesländer (ab 2020) (https://www.regionalstatistik.de/genesis/online?operation=table&code=22811-Z-03&bypass=true&levelindex=1&levelid=1716890904888#abreadcrumb; Zugriff: 08.02.2025).
5 Verwendet man Einkommensarmut als Indikator, ist es wichtig, die Haushaltsstrukturen zu kennen. Bei Alleinlebenden ergeben sich andere Risikokonstellation als bei Paarhaushalten. Bei institutionellen Ansätzen spielt das wahrscheinlich sehr große Dunkelfeld bei Altersarmut eine erhebliche Rolle.
Der vorliegende Bericht hat, wie bereits erwähnt, einen vierteiligen Aufbau. Die erste Säule des Berichts sind quantitative Daten: Es werden Zahlen aus der Bundes- und Landestatistik und von kommunalen Ämtern und Einrichtungen zu einem bestimmten Zeitpunkt herangezogen und (wenn möglich) miteinander verglichen und ins Verhältnis gesetzt.
Die Qualität der amtlichen Statistik in Deutschland gewährleistet durchgehend eine sehr gute Datensicherheit und ist für solche Berichtsvorhaben eine seriöse Quelle. Diese hohen Qualitätsstandards haben allerdings den Preis einer gewissen Langsamkeit. Um für den Regensburger Armutsbericht eine gute und gesicherte gemeinsame Basis von Bund, Land und Kommune zu haben, wurde an vielen Stellen das Bezugsjahr 2022 gewählt. Für diesen Zeitpunkt liegen die Daten gesichert vor, zudem kann für diesen Zeitpunkt der bundesweite Zensus 2022 als ein hervorragender Vergleichsmaßstab herangezogen werden. Wo es dem Forschungsteam sinnvoll erschien, wurden auch Daten für die Jahre 2023 und 2024 aus verlässlichen Quellen einbezogen, dies ließ sich jedoch nicht für alle Berichtsebenen gleichermaßen umsetzten.
Bevor tiefer in die Zahlen zu Armut eingestiegen wird, ist vorab eine Frage zu klären: Wie kann man den Begriff der Armut operationalisieren, ihn also einer Messung zugänglich machen? Weiter oben wurde von „Armutsbetroffenheit“ gesprochen.
Es gibt eine Vielzahl von Messmethoden und theoretischen Konzepten zur Messung und Beschreibung von Armut.6 Die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut wurde im vorherigen Kapitel bereits erläutert. Die in der Praxis und Literatur entwickelten Konzepte hier in aller Breite darzustellen, würde den Rahmen des Berichts sprengen. Wir geben daher in diesem Abschnitt nur einen Überblick über die wichtigsten Ansätze. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Konzeptionen des Armutsbegriffs und Messmethoden, die auch im Bericht Verwendung finden.
„Die Messung von Armut erfordert drei Schritte: Zuerst muss eine Armutsgrenze konzeptionell bestimmt werden. Dann kann sie in einem zweiten Schritt mit statistisch erhobenen Fakten quantifiziert werden. Danach ist es in einem dritten Schritt möglich, das Ausmaß von Armut in einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ermitteln“.7
Die gängigste Bestimmung der relativen Armut ist das sogenannte Armutsgrenzen- oder Armutsrisikomodell: „Beim Armutsgrenzenmodell wird eine Einkommensgrenze in Bezug auf das Nettoäquivalenzeinkommen der Personen als Armutsgrenze festgelegt. Sie wird als ein bestimmter Prozentsatz des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens festgesetzt“.8 Mit diesem aktuell meist mit 60 % des Durchschnittseinkommens beziffertem Betrag wird der Lebensstandard eines Menschen ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lebensstandard in einem bestimmten Land – in unserem Falle Deutschland – gesetzt. Dabei muss auch hier präzisiert werden, was genau als unterdurchschnittlich gefasst wird: Faktisch existieren unterschiedliche Grenzen und natürlich hat diese Grenzziehung immer etwas Willkürliches.
EU-weit jedenfalls hat man sich auf die Armutsrisikoschwelle von 60 % des mittleren Einkommens (Median) geeinigt; erfasst werden hierbei Haushalte. Unter 60 % des Durchschnittseinkommens gilt eine Person oder ein Haushalt also als armutsgefährdet.
Die zugrundeliegende Skala wurde von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ausgearbeitet. Hierbei sollen bei Haushalten, die aus mehreren Personen bestehen auch die Einsparungen durch gemeinsame Haushaltsführung berücksichtigt werden. Hier wäre an Einsparungen durch den Kauf größer Mengen, statt der teuren „Singlepackung“ oder die gemeinsame Nutzung von Ausstattung und Geräten zu denken.
Weiterhin soll dieser Ansatz die verschiedenen Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen berücksichtigen. Hat der Haushalt also mehrere Mitglieder, werden diese unterschiedlich gewichtet: Nach modifizierter OECD-Skala zählt der Haushaltsvorstand mit 1,0, die weiteren Personen im Alter von 14 Jahren und darüber erhalten ein Gewicht von 0,5, die jüngeren Kinder bekommen ein Gewicht von 0,3 zugeordnet.9 Dies mag in Anbetracht der Kosten, die Kinder unter 14 Jahren verursachen, diskussionswürdig erscheinen, ist aber eine verbreitete Herangehensweise in der Armutsforschung.
Wichtig ist außerdem noch der Hinweis auf den Median, der statt des Durchschnitts verwendet wird: Hierbei werden die Einwohner eines Landes in zwei gleich große Hälften geteilt und in der Mitte die Grenze gezogen. So können sogenannte „Ausreißer“ (also einzelne sehr reiche Menschen) die Werte, anders als beim sogenannten „Arithmetischen Mittel“, kaum verzerren.
Für die Bundesrepublik Deutschland lag die Zahl der Menschen, die armutsgefährdet waren, im Jahr 2023 bei 16,6 %, in Bayern bei 12,8 %.10
Was bedeutet Armutsgefährdung nun konkret für die finanziellen Potenziale der Menschen? Von welchen Beträgen sprechen wir?
„Laut Mikrozensus lag dabei der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende bei 1.247 Euro pro Monat. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren waren armutsgefährdet, wenn sie zusammen und nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 2.620 Euro pro Monat zur Verfügung hatten. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren lag die Armutsgefährdungsschwelle im Jahr 2023 bei 1.622 Euro, bei zwei Erwachsenen ohne Kinder bei 1.871 Euro.“11
Haushalte, die als armutsbetroffen gelten, stehen also – wie man dem obigen Absatz entnehmen kann – im Vergleich zu anderen Gesellschaftsmitgliedern geringere finanzielle Mittel zur Teilhabe zur Verfügung. Armut zeigt sich hier auf der materiellen Ebene und in Relation zur Gesamtgesellschaft. Diese Armutsgefährdungsquote wird regelmäßig in verschiedensten Untersuchungen wie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, dem Mikrozensus oder dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) für die gesamte Bundesrepublik und die Länder erhoben. Damit lassen sich sehr gut Gruppen der Bevölkerung identifizieren, die besonders von materieller Armut betroffen sind. Auf diese gefährdeten Gruppen wird im Verlauf des Berichts immer wieder an den entsprechenden Punkten und mit Bezug auf Regensburg noch näher eingegangen. Zur Orientierung hier ein paar Zahlen:
Wie bereits erwähnt, waren nach den Daten des Mikrozensus im Jahr 2023 in der Bundesrepublik Deutschland 16,6 % der Bürgerinnen und Bürger armutsgefährdet, hatten also nur 60 % des mittleren Durchschnittseinkommens oder weniger zur Verfügung. In Bayern waren dies 12,8 %, die Armutsgefährdungsquoten für Bayern liegen in allen Bereichen unter den Zahlen des Bundes.12
Während im Bund 15,5 % der Männer und 17,6 % der Frauen von Armut gefährdet waren, waren dies in Bayern 11,5 % der Männer und 14 % der Frauen. Frauen sind also stärker von Armut betroffen als Männer.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich auch in den Entwicklungen unseres Schwerpunktes: Während seit den 90er Jahren die Armut von Kindern und jungen Menschen bis 25 Jahre stark zunahm, sind im neuen Jahrtausend zunehmend ältere Menschen von Armut betroffen. Altersarmut – und hier besonders die Altersarmut von Frauen – wird zu einem immer bedeutsameren Thema. Eine aktuelle Publikation des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf Basis des Mikrozensus zeigt dies auf eindrückliche Weise:
„So müssen mittlerweile 18,1 Prozent aller über 64-jährigen und 18,7 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner zu den Armen gerechnet werden, 2006 waren es gerade einmal etwas über 10 Prozent. Seitdem jedoch nahm die Armut in diesem Personenkreis Jahr für Jahr ungebrochen und überproportional zu, um heute bereits fast das Ausmaß der Kinderarmut erreicht zu haben. Dabei ist die Altersarmut vor allem weiblich. Während ältere Männer ab 65 Jahren mit einer Quote von „nur“ 15,4 Prozent sogar ein geringeres Armutsrisiko ausweisen als der Durchschnitt der Bevölkerung, liegt die Quote bei den älteren Frauen bei weit überdurchschnittlichen 20,2.“13
Auch der Migrationshintergrund von Personen spielt eine Rolle: Mit einem Anteil der Armutsgefährdung von 27,7 % sind Menschen mit Migrationshintergrund einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt als die restliche Bevölkerung mit 11,9 %. Auf Landesebene zeigt sich ein ähnliches Bild: In Bayern sind 19,5 % der Menschen mit ausländischen Wurzeln armutsgefährdet, während das Armutsrisiko in der sonstigen Bevölkerung bei 9,9 % liegt.14 Bei Menschen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, also als Ausländer gezählt werden, liegt das Armutsrisiko regelmäßig noch höher.
Eine weitere wichtige Größe im Zusammenhang mit Einkommensarmut ist der Haushaltstyp. Die folgende Tabelle zeigt den Zusammenhang von Haushaltstyp und Armutsgefährdung.
Tabelle 1: Haushaltstypen und Armutsgefährdung in Prozent: Bund und Bayern 2023

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 202515
Wie man der Tabelle entnehmen kann, sind auf Ebene des Bundes und des Freistaats Bayern besonders Alleinerziehende, Alleinlebende und Familien mit drei und mehr Kindern armutsgefährdet. Weiterhin spielen die Erwerbsbeteiligung, das Alter, die Bildung und Ausbildung eine wichtige Rolle bei der Armutsgefährdung. Gerade die Altersarmut ist in Bayern im Vergleich zum Bund besonders ausgeprägt.16
Die Forschung identifiziert, egal, ob man Untersuchungen wie den Mikrozensus oder die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und die europäische Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) heranzieht, immer ähnliche Risikogruppen:
Besonders gefährdet sind Alleinerziehende (in der Regel Frauen), Alleinlebende und Großfamilien, Menschen ohne Erwerbsarbeit, Menschen mit geringer Bildung und ohne Ausbildung, Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländer*innen, seit den 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zunehmend Kinder und junge Menschen und seit einiger Zeit eben auch zunehmend alte Menschen, besonders alte Frauen.17
Hier wird Armut, wie bereits erwähnt, nur über das Einkommen bestimmt. Diese Vorgehensweise bezeichnet man als sogenannte Ressourcenansätze. Der Vorteil einer materiellen Armutserfassung liegt in der unverfälschten Erfassung des Kerns von Armut: Eine Person verfügt über zu wenig Einkommen, um ein Leben gemäß dem Standard in ihrer Gesellschaft zu führen.
6 Siehe hierzu z. B. Schildbach, Ina 2024: Armut verstehen. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag.
7 Hauser, Richard 2024: Das Maß der Armut. Armutsgrenzen im sozialstaatlichen Kontext – der sozialstatistische Diskurs. In: Huster, Ernst-Ulrich/Boekh, Jürgen (Hg.): Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung. Wiesbaden: Springer VS. S. 219-248, S. 221.
8 Ebd., S. 233.
9 Ebd., S. 229.
10 Für Regensburg gibt es hier keinen städtischen Wert, sondern nur den der „Raumregion“, der jedoch nicht einfach auf das Stadtgebiet heruntergebrochen werden kann. Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: A5.2_ROR_Land. Armutsgefährdungsquoten nach Raumordnungsregionen / Anpassungsschichten in % 2011 bis 2019 (https://www.statistikportal.de/sites/default/files/2024-04/A5%20Armutsgef%C3%A4hrdungsquoten%20Raumordnungsregionen%20bis%202019%20%28Bundesmedian%2C%20Landesmedian%2C%20regionaler%20Median%29.xlsx; Zugriff: 15.01.2025).
Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: A5.2_ROR_Land. Armutsgefährdungsquoten nach Raumordnungsregionen / Anpassungsschichten in % 2020-2023 (https://www.statistikportal.de/sites/default/files/2024-04/A5%20Armutsgef%C3%A4hrdungsquoten%20Raumordnungsregionen%20ab%202021%20%28Bundesmedian%2C%20Landesmedian%2C%20regionaler%20Median%29.xlsx; Zugriff: 15.01.2025).
11 Bundeszentrale für politische Bildung 2024: Soziale Situation in Deutschland. Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten (https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61785/ausgewaehlte-armutsgefaehrdungsquoten/; Zugriff: 21.12.2024).
12 Verwendet wird hier der Bundesmedian.
13 Der Paritätische 2024: Kinderarmut sinkt markant, Altersarmut auf dem Vormarsch. Expertise zu den Erstergebnissen des Mikrozensus zur Armutsentwicklung 2023 (https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Fachinfos/doc/broschuere_armutsexpertise-2024-2.pdf; Zugriff: 15.01.2024).
14 Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: Tabelle A2.0 Bund und A2.2 Bayern: Armutsgefährdungsquote nach soziodemographischen Merkmalen (https://www.statistikportal.de/de/sbe/ergebnisse/einkommen-armutsgefaehrdung-und-soziale-lebensbedingungen/armutsgefaehrdung-und-4; Zugriff: 15.01.2025).
15 Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2025: Tabelle A2.0 Bund und A2.2 Bayern: Armutsgefährdungsquote nach soziodemographischen Merkmalen (https://www.statistikportal.de/de/sbe/ergebnisse/einkommen-armutsgefaehrdung-und-soziale-lebensbedingungen/armutsgefaehrdung-und-4; Zugriff: 15.01.2025).
16 Siehe vdk Bayern 2025: VdK: Angst vor Altersarmut in Bayern ist begründet (https://bayern.vdk.de/presse/pressemitteilung/vdk-angst-vor-altersarmut-in-bayern-ist-begruendet/; Zugriff: 15.01.2025).
17 Siehe hierzu z. B. Goebel, Jan/Krause, Peter 2024: Armut in verschiedenen Bevölkerungsgruppen (https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553225/armut-in-verschiedenen-bevoelkerungsgruppen/; Zugriff: 15.01.2025).
Nach den Zahlen von EU-SILC (mit einer anderen Stichprobe) zeigt sich dies wie folgt: „Danach waren hierzulande 14,7 % der Bevölkerung von Armut bedroht. Mit 18,3 % lag die Armuts-gefährdungs¬quote für Personen ab 65 Jahren über diesem Durchschnittswert. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für Personen ab 75 Jahren, deren Armutsgefährdungsquote bei 17,9 % lag.“ Destatis 2025: Armutsgefährdung sowie materielle und soziale Entbehrung bei älteren Menschen (https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/armutsgefaehrdung.html; Zugriff: 08.02.2025).
Im Theorieteil des Berichts wurde deutlich, dass Armut nicht nur rein monetär zu fassen ist. Die im Vergleich geringe Geldsumme, über die Betroffene verfügen, wirkt sich aber natürlich auf alle Bereiche des Lebens und die Verwirklichungschancen der Individuen in unterschiedlichsten Dimensionen aus.
So stellt die Einkommensarmut zwar den Kern des Phänomens dar, aber ein Leben in Armut wird nicht adäquat erfasst, wenn man es nur auf diese eine Dimension des Geldes reduziert. Dem wird inzwischen mit einem erweiterten Konzept der „relativen Armut“ begegnet: Neben der materiellen Armutsgefährdung (siehe oben) werden noch die geringe Erwerbsbeteiligung (unter 20 % Erwerbsbeteiligung der Haushaltsmitglieder im Jahr) und die „Erhebliche materielle Entbehrung“ (keinen Urlaub machen können, kein Geld für ein KfZ, Problem bei Mietzahlung, etc.) erfasst.18 Eine Analyse dieser Variablen wäre für den Armutsbericht sehr wünschenswert gewesen, für Regensburg liegen hierfür allerdings keine belastbaren Daten vor. Für eine zukünftige Armutsberichterstattung wäre eine repräsentative lokale Befragung eine gute Investition.
Welche Parameter sollten in diesem Kontext noch Berücksichtigung finden? Studien zeigen bspw. einen deutlichen Zusammenhang zwischen Armut und geringerer formaler Bildung, einem schlechten Gesundheitszustand und prekären Wohnverhältnissen auf.19
Die sogenannten Lebenslagen- und Deprivationsansätze ergänzen die rein materielle Sicht um die Frage nach der Teilhabe in verschiedensten zusätzlichen Dimensionen.20 Mit diesen Ansätzen wird Armut unter einem weiteren Blickwinkel analysiert. Es werden z. B. die Bereiche Wohnen, Bildung, Gesundheit und politische Teilhabe in den Blick genommen. Der in diesem Bericht verwendete Capability Approach nach Sen ähnelt an vielen Punkten diesen Herangehensweisen und auch wir beziehen uns neben den finanziellen Mitteln als erste Dimension noch zusätzlich auf die Dimensionen Bildung, Gesundheit, Wohnen und auf die sozialpsychologische Dimension.
Eine weitere klassische Möglichkeit, sich dem Thema Armutsbetroffenheit zu nähern, nimmt den Weg über den Bezug von Bürgergeld, Grundsicherung im Alter und ähnlichen Unterstützungsleistungen. Man kann es wie folgt formulieren, „dass derjenige als arm zu gelten hat, der Unterstützung erhält“.21 Diese Herangehensweise orientiert sich am soziologischen Klassiker Georg Simmel und seiner engen Definition von Armut. Im Gegensatz zu Ansätzen wie der Armutsbetroffenheitsquote sind diese Zahlen auf kommunaler Ebene immer verfügbar. Damit stellen sie ein wesentliches Standbein der kommunalen Armutsberichterstattung dar. Hier geht es um die Unterstützung durch den Staat, die Stadt und ihre Institutionen als Indikator für eine Armutslage:
„Der institutionelle Ansatz bietet eine alternative Möglichkeit zur Bestimmung des soziokulturellen Mindeststandards. Dabei wird der Anteil der bekämpften Armut mittels normativer Setzungen des Gesetzgebers definiert. Um Armut zu bekämpfen, wird im deutschen Recht ein soziokulturelles Existenzminimum festgelegt. Der institutionelle Ansatz zieht den Bezug staatlicher Transferleistungen als Identifikationsmerkmal zur Bestimmung der bekämpften Armut heran. Hierbei werden Personengruppen betrachtet, die staatliche Unterstützung in Form von Sozialleistungen erhalten“.22
Die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften im Bürgergeld oder die Menge der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter werden bei diesem Vorgehen genauer analysiert.
Hier zeigt sich allerdings auch das bereits angesprochene Phänomen des Dunkelfeldes: Wer eigentlich Ansprüche hätte, diese aber nicht geltend macht, wird bei dieser Form der Analyse nicht erfasst. Ein Thema, dass nach den Erfahrungen des Forschungsteams besonders bei alten Menschen und in der migrantischen Community eine Rolle spielt. Um hier eine valide Einschätzung für Regensburg zu bekommen, wäre ein erheblicher Forschungsaufwand nötig, der im Rahmen des vorliegenden Berichts weder personell noch finanziell leistbar war.
Ergänzt werden diese Zahlen durch den Rückgriff auf Statistiken von Einrichtungen, Trägern, Behörden und Unternehmen auf kommunaler Ebene. Hierzu haben Institutionen wie beispielsweise das Amtsgericht Regensburg, die REWAG, Beratungsstellen oder das Jobcenter beigetragen.
Auf dieser Basis erfolgt dann unter anderem die Analyse der Armutsbetroffenheit, der relevanten sozidemographischen Gruppen, des lokalen Sozialraums und der Hilfs- und Beratungsinfrastruktur
Bis zu diesem Punkt ähnelt der Bericht für Regenburg stark den üblichen Formaten der kommunalen Armutsberichterstattung. Die Neuauflage des Armutsberichts für Regensburg weist allerdings noch eine Weiterung auf, die mit der Durchführung durch die OTH Regensburg zusammenhängt.
Um einen möglichst tiefen Einblick in das tatsächliche Leben von Armutsbetroffen und die verbundenen Herausforderungen zu gewinnen, wurde eine Vielzahl von Bachelor- und Masterarbeiten einbezogen.
Die studentischen Arbeiten sind an verschieden Zeitpunkten in die Analysen eingeflossen und werden an den entsprechenden Stellen immer wieder aufgegriffen bzw. sind wesentliche Teile des Berichts. So wurde z. B. durch Laura Holler das Bild von armutsbetroffenen Menschen aus Sicht von Menschen analysiert, die selbst nicht unter Armut leiden. Tobias Kraus untersuchte die sozialräumlichen Perspektiven in der kommunalen Armutspolitik, Jan Igloffstein befasste sich mit den Ursachen und Entwicklungen finanzieller Armut in Regensburg mit einem Fokus auf Preisentwicklung und Gehälter, während Linda Weber über den Einfluss der Bedingungen in Notunterkünften auf die psychische Gesundheit wohnungsloser Menschen schrieb.
Sie finden die Zusammenfassungen der studentischen Arbeiten im gesamten Bericht in entsprechend hervorgehobenen Kästen. Wenn Sie mehr zu den einzelnen Arbeiten wissen wollen: Die meisten Arbeiten werden auf den jeweiligen Seiten in Kurzform als Video vorgestellt.
18 Siehe exemplarisch: Eurostat (o.J.): Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (AROPE) (https://ec-europa-eu.translate.goog/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Glossary:At_risk_of_poverty_or_social_exclusion_(AROPE)&_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sc; Zugriff: 29.01.2025).
19 Zu Gesundheit siehe:
Ein aktueller Beitrag von Hoebel, Jens/Tetzlaff, Fabian/Michalski, Nils/Müters Stephan 2024: Gesundheitliche Ungleichheit. In: Statistisches Bundesamt, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hg.): Sozialbericht 2024. Ein Datenreport für Deutschland. S. 314-319, S. 314ff. (https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf; Zugriff: 29.12.2024).
Staiger, Tobias 2024: Gesundheitliche Ungleichheit: empirische Befunde, theoretische Erklärungsansätze und Perspektiven gesundheitlicher Chancengleichheit. In: Huster, Ernst-Ulrich/Boekh, Jürgen (Hg.): Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung. Wiesbaden: Springer VS, S. 465-494.
Ein Überblick zu Kindern, Armut und Bildung findet sich bei:
Palentien, Christian 2005: Aufwachsen in Armut – Aufwachsen in Bildungsarmut. Über den Zusammenhang von Armut und Schulerfolg. In: Zeitschrift für Pädagogik 51. Jg, 2/2005, S. 154-169.
Kuhlmann, Carola 2024: Bildungsarmut und die soziale ,Vererbung‘ von Ungleichheiten. In: Huster, Ernst-Ulrich/Boekh, Jürgen (Hg.): Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung. Wiesbaden: Springer VS, S. 446-464.
Zu Segregation siehe:
Helbig, Marcel 2023: Hinter den Fassaden. Zur Ungleichverteilung von Armut, Reichtum, Bildung und Ethnie in den deutschen Städten (https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2023/p23-003.pdf; Zugriff 29.12.2024).
Helbig, Marcel 2024: Soziale Polarisierung in den deutschen Städten. In: Statistisches Bundesamt (Destatis), Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hg.): Sozialbericht 2024. Ein Datenreport für Deutschland. S.268ff.
20 Ebd., S. 56ff. Spannend wäre hier, wie bereits erwähnt, auch das Konzept der Materiellen Entbehrung gewesen.
21 Simmel, Georg 1999: Soziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 551.
Simmel unterscheidet zwischen einer engen (arm ist, wer Unterstützung erhält) und einer weiten Definition von Armut (als arm sei zu bezeichnen, wem seine Mittel nicht für seinen Zwecke ausreichten).
22 Beste, Jonas 2017: Armut im Lebensverlauf. Messkonzepte in der Armutsforschung. Nürnberg: IAB Bibliothek.
Um der Komplexität des Themas Armut auf lokaler Ebene gerecht zu werden und gleichzeitig möglichst fundierte Handlungsempfehlungen zu generieren, wurden 25 Expertinnen- und Experteninterviews und Gruppendiskussionen durchgeführt.
„Der praktische Verwendungszusammenhang von Experteninterviews ist es, komplexe Wissensbestände zu rekonstruieren, die für die Erklärung sozialer Phänomene, auf die sich das aktuelle Forschungsinteresse bezieht, von Bedeutung sind. Experteninterviews beziehen sich entweder auf diejenigen Akteure, die als Funktionseliten implizite und explizite Regelsysteme, Strukturen und Entscheidungsprozesse in dem relevanten Wirklichkeitsausschnitte präsentieren, oder auf ‚intime Kenner‘ der Situation im relevanten Feld, die nicht notwendigerweise (mehr) direkt zur Funktionselite gehören müssen.“23
Expertinnen- und Experteninterviews sind ein probates Mittel in der qualitativen Sozialforschung, um ein Feld zu öffnen und mit Hilfe des Expertinnen- und Expertenwissens auch zu strukturieren. Diese Vorgehensweise liefert jedoch keine repräsentativen Befunde über den untersuchten Sachverhalt – hierauf sei an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit hingewiesen.24
Die Auswahl der Expertinnen und Experten ergab sich auf einer ersten Ebene aus ihrer Funktion in der Verwaltung der Stadt oder aus ihrem Status als ausgewiesene Fachkräfte auf dem jeweiligen Gebiet. Wenn in der finanziellen Dimension der individuellen Potenziale beispielsweise das Thema Schulden behandelt wird, ist es sinnvoll, vorher mit Vertreterinnen und Vertretern der Schuldnerberatungsstellen zu sprechen. Analog wurde z. B. in weiteren Dimensionen wie Wohnen oder Arbeitsmarkt verfahren.
Eine zweite Ebene ergab sich aus dem gewählten Schwerpunkt des Berichts: der Frage der Altersarmut. Hier wurden neben Einzelinterviews auch Gruppendiskussionen durchgeführt. Die aus den Interviews und Fokusgruppen gewonnen Informationen und Kontakte führten dann zu weiteren Interviews. Es wurde also ein „Schneeballsystem“ auf Basis der bereits gewonnen Daten praktiziert, mit dem das Feld weiter erschlossen wurde. Dieses Vorgehen wurde fortgesetzt, bis aus Sicht des Forschungsteams die jeweiligen Themenbereiche ausreichend abgebildet waren.
In dieser Phase der Untersuchung wurden Interviews mit der Sozialbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein, mit Amts- und Referatsleitungen, Fachkräften, Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, Initiativen, Vereinen und Wohltätigkeitsorganisationen geführt.25
Auf dieser breiten Basis war es möglich, die Sichtweise der Expertinnen und Expertinnen auf Armut generell und auf Armut in ihrem besonderen Arbeitsfeld nachzuvollziehen. Zudem konnte dieses umfangreiche Material dazu genutzt werden, Handlungsempfehlungen zu sammeln, die aus der täglichen Arbeit und dem Erfahrungsschatz der Expertinnen und Experten stammen und entsprechend hohe praktische Relevanz besitzen. Das Material wurde wörtlich transkribiert und anschließend einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker unter Verwendung der Software MAXQDA unterzogen.26 Als theoretische Grundlage der Analyse und zur Kategorienbildung wurden die Dimensionen des CA herangezogen, die im Rahmen einer Machbarkeitsstudie des IAW identifiziert worden waren.
Zwar waren alle unserer Interviewpartnerinnen und -partner dazu bereit, mit Namen und Funktion aufzutreten, wir haben uns dennoch dazu entschlossen, die Interviews zumindest über einen einfachen Schlüssel zu anonymisieren. Dies bringt nach Überzeugung des Forschungsteams einen gewissen Schutz der Befragungsteilnehmenden. Dies erschien uns in der aktuellen Situation, in der immer wieder Amtsträgerinnen und Amtsträger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden und Einrichtungen im Internet und im realen Leben beleidigt und bedroht werden, eine gebotene Maßnahme zu sein. Analog sind wir mit Personen aus der Zivilgesellschaft umgegangen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Sozialbürgermeisterin Dr. Freudenstein; das Interview mit ihr findet sich in voller Länge hier.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Regensburg werden mit SR verschlüsselt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Verwaltungen mit AV. Bei Sozialen Initiativen oder der Zivilgesellschaft engagierte Personen wurden mit ZG, Fachkräfte von Einrichtungen und Trägern mit FK bezeichnet.
Diese Maßnahme war eine alleinige Entscheidung des Forschungsteams, dient ausschließlich dem Schutz der beteiligten Personen und hat keinerlei Auswirkung auf die Authentizität der Inhalte.
23 Liebold, Renate/Trinczek, Rainer 2009: Experteninterviews. In: Kühl, Stefan/Strodtholz, Petra/Taffertshofer Andreas (Hg.): Handbuch Methoden der Organisationsforschung. Quantitative und Qualitative Methoden. Wiesbaden: VS Verlag, S. 32-56, S. 35.
24 Zu den Potenzialen und Grenzen der qualitativen Sozialforschung siehe exemplarisch: Flick, Uwe 2005: Standards, Kriterien, Strategien: zur Diskussion über Qualität qualitativer Sozialforschung. In: ZBBS 2/2005 S. 196 und klassisch: Mayring, Philipp 2002: Einführung in die qualitative Sozialforschung. Weinheim: Beltz-Studium.
25 Zur Methode der Gruppendiskussion siehe z. B. Bohnsack, Ralf 1999: Rekonstruktive Sozialforschung. Opladen: Leske+Budrich, S. 123ff.
26 Kuckartz, Udo/Rädiker, Stefan 2022: Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim: Beltz, Juventa.
Kuckartz, Udo/Rädiker, Stefan 2024: Fokussierte Inhaltsanalyse mit MAXQDA. Wiesbaden: Springer VS.
Auf der dritten Ebene wurden Leitfadeninterviews mit Menschen geführt, die von Armut betroffen sind. 31 dieser Interviews konnten für den Bericht genutzt werden.27 Auf dieser Analyseebene ging es darum, die lebensweltlichen Erfahrungen der armutsbetroffenen Menschen aus ihrer Perspektive sichtbar zu machen. Die Intention des Berichts ist es, diesen Personen eine Stimme zu geben. Die so gewonnenen Ergebnisse fließen mit Originalstellen aus den Interviews in den Bericht ein und zeigen die Einschränkungen der Verwirklichungschancen aus der Binnensicht der Betroffenen. Die teilnehmenden Personen wurden bei ihrem Besuch der Tafel oder den Rengschburger Herzen befragt. Hierbei wurden jeweils vor Ort und an mehreren Tagen Interviews mit den Kundinnen und Kunden geführt. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgte weitgehend zufällig und folgte keinem vorgegebenen Sampling.
Für diesen Teil der Forschungsarbeiten wurden leitfadengestützte offene qualitative Interviews durchgeführt.28 Das leitfadengestützte Interview ist die wohl am häufigsten genutzte Interviewform in der qualitativen Sozialforschung. Hierbei wird ein Leitfaden für die jeweils behandelte Fragestellung entwickelt, der die wesentlichen Punkte der Forschungsfrage beinhaltet. Das Interview wird dann entlang des Leitfadens geführt, bleibt dabei jedoch offen. Im Gegensatz zu quantitativen Fragebögen, die mit geschlossenen Antwortvorgaben arbeiten, können hier neue Inhalte aufgenommen und bei Bedarf vertieft werden, die Reihenfolge der Fragen kann zudem im Gegensatz zu geschlossenen Fragebögen geändert werden. Dies gewährleistet Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und somit die Offenheit des Verfahrens für neue Inhalte. Der Leitfaden bildet demnach einen Rahmen, lässt aber Variationen und Erweiterungen in der Interviewsituation zu.
Das Material wurde ebenfalls wörtlich transkribiert und vollständig anonymisiert. Anschließend wurden die Interviews einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker unterzogen. Auch hier wurde mit der Unterstützung der Auswertungssoftware MAXQDA gearbeitet und die Dimensionen des CA als theoretische Grundlage herangezogen. Diese Ergebnisse erheben auf Grund ihres qualitativen Charakters und der geringen Zahl selbstverständlich auch keinen Anspruch auf Repräsentativität, sie gewähren jedoch einen facettenreichen Einblick in das alltägliche Leben mit Armut in Regensburg.
Diese Vorgehensweise ist zudem ein Merkmal sogenannter Integrativer Berichte: „Integrativ bedeutet auch die Integration verschiedener Methoden. Es beziehen jedoch nur wenige Berichte qualitative Methoden ergänzend in ihre Berichterstattung mit ein“.29 In der von Meier-Gräwe et al. vorgelegten Studie verwendeten nur 8 der untersuchten 108 Berichte neben rein quantitativen Datenzugang auch qualitative Methoden. Wie im vorliegenden Bericht werden hier Fallbeispiele von betroffenen Haushalten oder ausgewählten Zielgruppen verwendet, die als Expertinnen und Experten in ihren eigenen Lebenswelten fungieren.30
Weiterhin erfolgte in dieser Projektphase im Verlauf von mehreren Tagen eine Befragung der Kundinnen und Kunden der Tafel Regensburg mit einem quantitativen Kurzfragebogen, der mit geschlossenen Fragen arbeitete. Dieser orientierte sich, ähnlich dem qualitativen Leitfaden, an den wesentlichen Dimensionen des Capability Approach (z. B. Wohnen, Gesundheit), wie sie im Theorie-Kapitel hergeleitet werden. Zusätzlich wurden die wichtigsten soziodemographischen Daten erfasst (Geschlecht, Alter, Herkunft). Der Kurzfragebogen lag in mehreren Sprachen vor, tatsächlich ausgefüllt wurden jedoch nur Fragebögen in deutscher, ukrainischer oder russischer Sprache. Die Daten wurden mit SPSS verarbeitet und einer Analyse mit rein deskriptiver Statistik unterzogen.
Insgesamt 163 verwertbare Interviews waren das Resultat dieser Erhebung, die sich, wie schon gesagt, unter anderem mit der Finanz- und Wohnungssituation, der Gesundheit, Mobilität und Einsamkeit beschäftigte. Diese Ergebnisse liefern einen weiteren wichtigen Mosaikstein für eine möglichst dichte Beschreibung der sozialen Realität armutsbetroffener Menschen in der Stadt Regensburg. Obwohl es sich hier um quantitative Befragungsdaten handelt, sind diese ebenfalls nicht repräsentativ.
Dies hat zwei Gründe. Erstens die geringe Zahl der Teilnehmenden: Die Zahl von 163 ausgefüllten Fragebögen lässt keine repräsentativen Schlüsse auf die armutsbetroffenen Menschen der gesamten Stadt zu. Weiterhin war das Sampling (Kundinnen und Kunden der Tafel) keine wirkliche Zufallsauswahl aus der Zielgruppe, sondern beschränkte sich auf die Gruppe der Kundinnen und Kunden nur einer Hilfsorganisation. Da darüber hinaus an bestimmten Wochentagen überwiegend nur ausgewählte Betroffenengruppen (in der Befragungswoche waren dies primär Frauen, Ukrainerinnen und Ukrainer) diese Einrichtungen aufsuchten, entstanden dadurch noch weitere Verzerrungen des Samples.31
Dennoch können auch diese Daten – bei aller Limitierung – herangezogen werden, um eine weitere Facette des Lebens mit Armutsbetroffenheit in Regensburg abzubilden.
Einen Fokus unter anderem auf die Einbindung von armutsbetroffenen Menschen zu legen, empfiehlt auch Johannes Schweiger, der in seiner Bachelorarbeit zur öffentlichen Darstellung des Armutsberichts schreibt.
Johannes Schweiger
Die Neuauflage des Armutsberichts der Stadt Regensburg bietet die Chance, das Thema Armut stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wichtig ist dabei eine digitale und zugängliche Aufbereitung, die nicht nur Daten vermittelt, sondern auch die komplexen Ursachen von sozialer Ungleichheit sichtbar macht. Armut wird dabei als vielschichtiges Problem verstanden, das weit über finanzielle Aspekte hinausgeht und Themen wie soziale Teilhabe, Bildung und Lebensperspektiven umfasst.
Wie wir in unserer Gesellschaft über Armut sprechen, ist häufig von Stigmatisierungen und der Individualisierung sozialer Problemlagen geprägt. Daher ist es wichtig, strukturelle Ursachen und Mechanismen sozialer Ungleichheit sichtbar zu machen. Der Regensburger Armutsbericht soll digital und öffentlichkeitswirksam so aufbereitet werden, dass dabei ein differenziertes Verständnis von Armut gefördert wird.
Bei den Vorschlägen für die Aufbereitung des Berichts liegt ein besonderes Augenmerk darauf, die Stimmen von Betroffenen stärker einzubinden. Menschen mit Armutserfahrung gelten hier als Expertinnen und Experten ihrer Lebensrealität und sollen aktiv beteiligt werden. Ebenso ist es unerlässlich, sich Gedanken über die verwendete Sprache zu machen, um stigmatisierende Begriffe zu vermeiden. Auch die Bildsprache sollte bedacht werden, um stereotype Darstellungen von Armut zu verhindern.
Ein barrierefreies Webdesign wird als zentral erachtet, um digitale Teilhabe zu gewährleisten und soziale Ausgrenzung zu verringern.
Zusätzlich kann kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit Aufmerksamkeit für das Thema schaffen und politisches Handeln anstoßen. Ziel ist es, den Armutsbericht nicht nur als Informationsgrundlage, sondern als Werkzeug für gesellschaftliche Sensibilisierung und Inklusion zu nutzen, um langfristig ein Bewusstsein für die Mechanismen von Armut und sozialer Ausgrenzung zu schaffen.
27 Einige der Interviews waren leider wegen Verständnis- und Sprachproblemen nicht zu verwenden. Technisch und sprachlich verwertbares Material wurde grundsätzlich in die Auswertung aufgenommen.
28 Siehe z. B. Hopf, Christel 2003: Qualitative Interviews. Ein Überblick. In: Flick, Uwe/v. Karadoff, Ernst/Steinke, Ines: Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek: Rowohlt, S. 249-359.
29 Meier-Gräwe, Uta/Dorn, Markus/Mardorf, Silke 2005: Entwicklung eines lebenslagen- und haushaltsbezogenen Datenmodulsystems zur Qualifizierung von kommunalen Armuts- und Sozialberichterstattungsverfahren. Verfasst im Auftrag des BMFSFJ, S. 209f.
30 Ebd., S. 210.
31 Der Vergleich zwischen den soziodemographischen Daten des Samples und der Bevölkerung der Stadt Regensburg weist erhebliche Unterschiede auf, die nicht allein mit Armutsbetroffenheit erklärt werden können. Die Tafel bedient aus organisatorischen Gründen verschiedene Gruppen an festgelegten Tagen. Dies schlägt sich bei den Teilnehmenden der Befragung nieder und führt zu starken Abweichungen in der soziodemographischen Zusammensetzung des Samples z. B. in Bezug auf Herkunft und Geschlecht.
In Ergänzung zu den bisher erläuterten Schritten (quantitative Beschreibung anhand amtlicher Statistiken, qualitative Expertinnen- und Experteninterviews sowie qualitative Interviews mit Armutsbetroffenen und Befragung mit Kurzfragebogen) wurde eine Sozialraumanalyse vollzogen, um Segregationsmuster und sozialräumliche Ungleichheiten im Stadtgebiet darzustellen.
Die sozialräumliche Analyse basiert auf einer methodischen Triangulation, die quantitative und qualitative Verfahren kombiniert. Dieser mixed-methods Ansatz ermöglicht eine differenzierte Untersuchung sozialräumlicher Disparitäten und deren Auswirkungen auf armutsgefährdete Bevölkerungsgruppen.
Die quantitative Sozialraumanalyse beruht auf kleinräumigen Sekundärdaten, die zur Identifikation von Quartieren mit erhöhtem Armutsrisiko herangezogen wurden. Hierbei wurden unter anderem Daten aus dem Zensusatlas 202232, dem Regensburger Sozialindex 202333 sowie Forschungsdaten des GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften34 genutzt. Die Analyse erfolgte auf Blockgruppenebene, um sozialstrukturelle Unterschiede innerhalb der Stadt sichtbar zu machen. Zentrale methodische Verfahren war die hierarchische Clusteranalyse35, welche eine Gruppierung der Stadtgebiete entlang relevanter Armutsindikatoren wie SGB-II-Quote, Arbeitslosigkeit, Alters- und Haushaltsstruktur und Ausländeranteil. Die Auswahl der Indikatoren erfolgte auf Basis der sozioökonomischen Merkmale, die auf Landesebene am meisten mit Armut korrelieren.
Ergänzend zur quantitativen Analyse wurde eine qualitative Sozialraumanalyse durchgeführt, um die lebensweltlichen Bedingungen und infrastrukturellen Herausforderungen in benachteiligten Quartieren besser zu erfassen. Exemplarisch wurde hierzu vom Studierenden im Masterstudiengang Inklusion und Exklusion eine strukturierte Stadtteilbegehung in der Isarstraße-Ost vorgenommen. Die qualitative Untersuchung folgte einem zweistufigen Vorgehen: Zunächst wurde eine systematische Beobachtung durchgeführt, die sich auf die räumlichen Gegebenheiten, öffentliche Treffpunkte und soziale Interaktionsräume konzentrierte. Anschließend fanden leitfadengestützte Interviews mit Schlüsselpersonen aus dem Gebiet der Isarstraße statt, um subjektive Wahrnehmungen, soziale Dynamiken und infrastrukturelle Defizite im Quartier zu erfassen. Diese Vorgehensweise erlaubt eine tiefere Einordnung der quantitativen Befunde und trägt dazu bei, strukturelle Analysen mit alltagsweltlichen Perspektiven zu verbinden.36
Die Kombination aus statistischer Datenauswertung und qualitativer Feldforschung ermöglicht somit eine umfassende Analyse der sozialräumlichen Disparitäten in Regensburg.37 Während die quantitative Analyse strukturelle Segregationsmuster identifiziert, erlaubt die qualitative Erhebung eine differenzierte Betrachtung der sozialen und infrastrukturellen Bedingungen vor Ort. Diese methodische Verzahnung stellt eine fundierte Basis für die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Reduzierung sozialräumlicher Ungleichheiten dar und trägt zur Entwicklung evidenzbasierter Strategien für die kommunale Sozialpolitik bei.
32 Statistisches Bundesamt 2022: Die Ergebnisse des Zensus. Gitterdaten zum Download für geografische Informationssysteme (GIS) (https://www.zensus2022.de/DE/Ergebnisse-des-Zensus/_inhalt.html#; Zugriff: 19.03.2025).
33 Stadt Regensburg (Planungs- und Baureferat/Amt für Stadtentwicklung/Abteilung Statistik) 2023: Regensburger Sozialindex 2023 (https://www.regensburg.de/fm/121/statisitk-regensburger-sozialindex-2023.pdf; Zugriff: 10.03.2025).
34 GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2023: Forschungsdaten. Kleinräumige Ungleichheiten in deutschen Städten (https://search.gesis.org/research_data/SDN-10.7802-2633?doi=10.7802/2633; Zugriff: 19.03.2025).
35 Schendera, Christian F.G. 2010: Clusteranalyse mit SPSS. Mit Faktorenanalyse. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, S. 23 ff.
36 Spatscheck, Christian/Wolf-Ostermann, Karin 2023: Sozialraumanalysen. Ein Arbeitsbuch für soziale, gesundheits- und bildungsbezogene Dienste. 2. akt. und überarb. Aufl. (https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838545806; Abrufdatum: 12.03.2025), S. 40 ff.
37 Eine ausführliche Darstellung der methodischen Vorgehensweise befindet sich am Ende des Kapitels zu „Wohnen“.
Das Design des Berichts ermöglicht eine Analyse des Lebens mit Armut in Regensburg auf vier Ebenen: erstens eine quantitative Ebene auf Basis gesicherter amtlicher Statistik und Kennzahlen der Kommune und anderer relevanter Organisationen. Zweitens die Ebene der Expertinnen und Experten sowie der Initiativen der Stadt, die aus ihrer fachlichen Perspektive die Situation bewerten und Handlungsempfehlungen formulieren. Auf der dritten Ebene die Binnensicht und die Erfahrungen von armutsbetroffenen Menschen sowie auf vierter Ebene die sozialräumliche Darstellung von Segregationsmustern und Ungleichheiten.
Gerahmt werden diese Ebenen von einer Vielzahl von studentischen Arbeiten, die aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und mit verschiedenen Methoden weitere Elemente zum Gesamtbild beisteuern.
Der vorliegende Bericht mag sich daher in die Kategorie der uneinheitlichen oder vielleicht auch unkonventionellen Berichte einordnen, er spiegelt aber auch ein breites sowie vielfältiges Datenbild und präsentiert Erfahrungen und Handlungsempfehlungen großer Teile der Stadtgesellschaft: Von der Politik und Wissenschaft über die Ämter und Behörden, die sozialen Einrichtungen und die Zivilgesellschaft. Und er gibt denen, um die es eigentlich geht, den armutsbetroffenen Menschen der Stadt, ebenfalls Raum für Ihre Stimme.
Limitationen dieses Berichts ergeben sich aus der geringen finanziellen Ausstattung des Projekts. Dadurch waren größere quantitative Untersuchungen leider nicht möglich. Durch die begrenzten personellen Ressourcen konnten auch nicht alle spannenden Hinweise und Befunde aus den qualitativen Erhebungsteilen weiterverfolgt und vertieft werden, was ebenfalls wünschenswert gewesen wäre. Auch der sozialräumliche Aspekt, der für einen direkte Vergleichbarkeit mit dem Bericht 2011 gesorgt hätte, ließ sich nur in Teilen umsetzen. Dies liegt einerseits im bereits beschriebenen Mangel an Ressourcen begründet. Andererseits verfügt keine der beteiligten Professuren über eine derartige sozialräumliche und sozialgeographische Schwerpunktsetzung wie die Urheber des Berichts von 2011.